Antworten der Wassenberger Parteien in der Reihenfolge des Rücklaufes

1. Sichere Rad- bzw. Fußwege vs. Parkplätze im öffentlichen Raum, wie lösen Sie diesen häufig empfundenen Widerspruch?

Bündnis 90/Die Grünen

Für eine zukunftsfähige Nahmobilität muss den Radfahrer*innen in den Städten und Ortschaften mehr Raum gegeben werden. Gleichberechtigte Fahrspuren für Rad und PKW und sichere Fußwege sind dazu notwendig. Die Städte brauchen neue Verkehrskonzepte, welche die Belange der Fußgänger und Radfaher*innen in den Vordergrund stellen.

LINKE

Ein Patentrezept gibt es sicher nicht. Als Politik sind wir dafür zuständig, alle Interessenslagen zu berücksichtigen. Dies kann durch die Erstellung eines Nahverkehrskonzepts nach Mönchengladbacher Vorbild gelingen, dass alle Verkehrsträger und die Barrierefreiheit einbezieht. Innerhalb dieses Gesamtkonzeptes sollen Gefahrenstellen erkannt und Wege gesucht werden, um diesen Ihrerseits angesprochenen Widerspruch gar nicht erst entstehen zu lassen. Einen entsprechenden Antrag haben wir bereits vor geraumer Zeit in die städtischen Gremien eingebracht.

 

2. Der Unterschied zwischen Tempo 30 und Tempo 50 kann bei einem Unfall den Unterschied zwischen Unversehrtheit und schweren Verletzungen ausmachen. Wie stehen Sie dazu, zur Sicherung der Radfahrer und Fußgänger innerorts flächendeckend Tempo 30 einzuführen?

Bündnis 90/Die Grünen

Für den Kraftverkehr ist Tempo 30 innerorts unerlässlich, um einen sicheren Radverkehr zu ermöglichen. Auch bei gut ausgebauten Radwegen sind Radfahrer*innen von 8 bis 88 Jahren im Straßenverkehr die schwächeren Teilnehmer. Tempo 30 kann dazu beitragen, den PKW- Verkehr in den Innenstädten unattraktiver zu machen und die Entscheidung, aufs Rad umzusteigen, erleichtern.

LINKE

Das Thema Tempo 30 in Städten und Gemeinden wird auch in unserer Partei kontrovers diskutiert, treffen doch auf engem Raum unterschiedliche Interessen und Gegebenheiten aufeinander. Auf der einen Seite sollen die allgemeine Lebensqualität und Verkehrssicherheit so hoch wie möglich sein – auf der anderen Seite soll die Mobilität von Bevölkerung und Wirtschaft nicht behindert werden. So haben sich Tempo-30-Zonen in Wohngebieten bewährt. Auch die Anordnung von Tempo 30 vor Schulen, Kindertagesstätten, Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern ist unstrittig eine sinnvolle Maßnahme. An akuten Gefahrenstellen gilt Tempo 30 auch auf den Hauptverkehrsstraßen (z.B. Am Bahnhof, Bahnhofstraße, Prämienstraße). Tempo 30 als innerörtliche Regelgeschwindigkeit ist unserer Ansicht allerdings weder aus Sicherheits- noch aus Umweltgründen zielführend. Im Gegenteil: Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen führt zu erhöhtem Ausweichverkehr in Wohngebieten mit unerwünschten Folgewirkungen. Der Einfluss der Geschwindigkeit auf das Unfallgeschehen ist nicht eindeutig nachweisbar. So gibt es kaum Studien, die sich explizit mit dieser Fragestellung beschäftigen. Alle Untersuchungen leiden darunter, dass die Geschwindigkeit, wie andere Einflussfaktoren auch, nie alleinige Ursache eines Unfalls ist. In der Regel kommt es nämlich erst dann zu einem Unfall, wenn bauliche Rahmenbedingungen mit ungünstigen situativen Umständen zusammentreffen.

 

3. Ein Radwegenetz muss geplant, gebaut und unterhalten werden. Das kostet Geld und Personal! Welchen Beitrag pro Einwohner würden Sie im Haushalt für diese Aufgaben ansetzen?

Bündnis 90/Die Grünen

Fahrradfreundliche Städte wie Kopenhagen, Amsterdam oder Stuttgart, machen es uns vor. Um eine Gleichstellung aller Verkehrsarten auch bei uns im ländlichen Raum zu erreichen, muss mindestens so viel Geld investiert werden wie es auch für den Straßenausbau üblich ist. 

Darüber hinaus gibt es zur Zeit enorm viele Programme aus EU-, Bundes- und Landesmitteln, die dafür abgerufen werden können.

LINKE

Wir wollen den Verkehr im Gesamten betrachten, um Probleme strukturell und nicht punktuell zu beheben. Da genügt es nicht, den Radverkehr unabhängig von anderen Verkehrsteilnehmern zu betrachten. Zunächst soll das Nahvekehrskonzept erstellt werden, dann muss seitens der Verwaltung geprüft werden, welche Fördermittel akquiriert werden können und erst dann kann ein Betrag festgesetzt werden.

 

4. In der öffentlichen Wahrnehmung wird das Fahrrad noch häufig als Freizeit- oder Sportgerät angesehen und als Verkehrsmittel unterschätzt. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie in der Öffentlichkeit für das Fahrrad als Verkehrsmittel werben?

Bündnis 90/Die Grünen

Eine breit angelegte Kampagne von Städten und Gemeinden für das Rad als Verkehrsmittel, integriert in ein zukunftsweisendes Mobilitätskonzept, würde dem Wunsch in der Bürgerschaft nach sicheren Radwegen entgegenkommen. Denn immer mehr Menschen wollen aufs Rad umsteigen. Voraussetzung ist der Ausbau von verkehrstauglichen Radwegenetzen und die Sicherung von Querungen an großen Kreuzungen. Mit einem Radentscheid, wie er schon in vielen Städten erfolgreich durchgeführt wurde, käme sicher auch im Kreis Heinsberg mehr Dynamik in die Bewegung

LINKE

Wir können - gerade in einer Flächenstadt - die Menschen nicht dazu zwingen, ihr Mobilitätsverhalten zu verändern, können durch das Bereitstellen einer günstigen Infrastruktur jedoch dazu anregen, dazu animieren. Das Rad muss zeitlich eine echte Alternative zum Auto darstellen. Schnelle Verbindungen sind also erforderlich. Mit der Initiative, einen Radschnellweg nach Mönchengladbach errichten zu lassen (hier ist die Auspendlerzahl am größten), verfolgen wir etwa die Intention, vielen Pendlern eine solche zu bieten.

 

5. Ein steigendes Problem ist das Aufkommen von so genannten Elterntaxis vor Schulen und Kindergärten. Wie stehen Sie zu diesem Thema und wie würden Sie dieses Problem lösen?

Bündnis 90/Die Grünen

Wenn Kinder damit groß werden, von Tür zu Tür mit dem Auto gebracht zu werden, stellt sich ihnen irgendwann die Frage, wozu habe ich Beine? Das Problem sind die Eltern, die ihren Kindern nicht zutrauen zu Fuß zu gehen, das Rad zu benutzen oder den Bus. Sicher spielt auch hier der unsichere Schulweg oder der unsichere Radweg für die Eltern eine große Rolle bei der Entscheidung, ihre Kinder mit dem Auto zu transportieren. Deshalb müssen dringend die entsprechenden Voraussetzungen für einen sicheren Schulweg geschaffen werden. Um die gefährlichen Situationen an Kindergärten und Schulen und das hohe Verkehrsaufkommen zu entzerren, können Elternhaltezonen außerhalb der Einrichtungen ausgewiesen werden.

LINKE

In erster Linie erscheint es uns sinnvoll, an die Schulen heranzutreten und diese darum zu bitten, die Eltern eindringlich für das Problem zu sensibilisieren und auf alternative Parkmöglichkeiten hinzuweisen. Ferner müssen Park- und Halteverbote punktuell noch errichtet werden, eine regelmäßige Kontrolle der Anlieger-Frei-Straßen wäre zielführend.

 

6. Wie zufrieden sind Sie mit der Fahrradinfrastruktur in der Gemeinde Wassenberg? Was ist gut? Was muss noch dringend verbessert werden.

Bündnis 90/Die Grünen

Radwandern ist um Wassenberg und Umgebung gut möglich, vor allem durch Wiesen und Wälder, entlang der Rur bis in die Niederlande. Innerstädtisch allerdings zeigt sich das Bild eines Flickenteppichs aus nicht bis schlecht gekennzeichneten Fahrradwegen. Fahrbahnmarkierungen enden oft im Nichts. An den Durchfahrtsstraßen, alte B221 oder an der Burgstraße, müssen sich die Radfahrer*innen die Fahrbahn mit dem überholenden Verkehr vorbei an parkenden Autos teilen. Querungen an großen Kreuzungen sind unübersichtlich und gefährlich. Wassenberg braucht dringend ein innerstädtisches Radwegenetz, eingebunden in ein innerstädtisches Verkehrskonzept. Vor diesem Hintergrund haben wir Grüne im vergangenen Jahr im Rat die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte beantragt und die Planung eines Radweges vorgeschlagen, der die Oberstadt und die Unterstadt miteinander verbindet. Über diesen Radweg können dann auch die zentralen Sportanlagen in Orsbeck und das Parkbad insbesondere von Kindern und Jugendlichen sicher und gut erreicht werden.

LINKE

Im Allgemeinen sind wir mit der Fahrradinfrastruktur von Wassenberg zufrieden. Sie bietet den Fahrradfahrern oft sowohl Innerorts als auch Außerorts Möglichkeiten, um auf klar zugewiesen Radwegen zu fahren. Dies ist jedoch nicht überall der Fall. Strecken wie die Klosterstraße zwischen Myhl und Wassenberg beinhalten weder markierte Fahrbahnen noch einen separaten Fahrradweg. Dementsprechend gibt es trotzdem noch vielerlei Lücken im Fahrradnetz Wassenbergs, welche DIE LINKE. schnellstmöglich beheben lassen möchte.

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