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Auf dem Langen Kampe: Stadtbahn wäre hier widersinnig

20.02.14
Kategorie: Aktuelles, Bielefeld, Verkehr, Mobilität, Sicherheit, Verkehrsplanung, Verkehrspolitik
Quelle: Stadt Bielefeld/Amt für Verkehr, moBiel GmbH

Quelle: Stadt Bielefeld/Amt für Verkehr, moBiel GmbH


ADFC Bielefeld fordert: Stadtbahnbau nicht zum Nachteil von Rad- und Fußverkehr

Stadt Bielefeld und "moBiel" planen eine Stadtbahnlinie nach Heepen. Zur Diskussion stehen Trassenvarianten über die Heeper Straße und durch die Straße Auf dem Langen Kampe. 

Bereits frühzeitig und auch im Bürgerbeteiligungsprozess hat der ADFC Bielefeld klar gemacht, dass eine Stadtbahntrasse Auf dem Langen Kampe problematisch für den Rad- und Fußgängerverkehr wäre. 

Mehrheit gegen Stadtbahn Auf dem Langen Kampe

Aus unterschiedlichen Gründen hat sich eine Mehrheit der beteiligten Bürger und Institutionen für die Heeper Straße und gegen Auf dem Langen Kampe ausgesprochen. Auch Stadtverwaltung und "moBiel" favorisieren inzwischen die Heeper Straße. 

Trotz dieser breiten Ablehnung in Bürgerschaft und Fachöffentlichkeit will die Bielefelder CDU die Trasse auf dem Langen Kampe weiterhin im Gespräch halten. 

Der ADFC hat in Zusammenarbeit mit dem Amt für Verkehr erreicht, dass eine Strecke des Radverkehrsnetzes NRW und des Bielefelder Radverkehrsnetzes durch die Straße Auf dem Langen Kampe läuft. Auf der verkehrsarmen Straße kann man mit dem Rad sicher und zügig zwischen Innenstadt und Heepen fahren. Der (Umwelt- und) Stadtentwicklungsausschuss des Bielefelder Stadtrates hat diese Hauptstrecke mehrmals per Beschluss bestätigt. 

Keine vergleichbar guten Alternativen für den Radverkehr

Der Weg im Stauteiche-Grünzug ist keine Alternative, denn er hat keine witterungsunabhängig gut befahrbare Oberfläche, bietet besonders bei Dämmerung und Dunkelheit keine soziale Kontrolle. Auch sorgt zeitweilig starker Fußgängerverkehr dafür, dass dies keine gute Alltagsstrecke für den Radverkehr ist. 

Auf der Heeper Straße leidet der Radverkehr unter desolaten und viel zu schmalen Radwegen, vielen gefährlichen Grundstücksausfahrten und Parkverkehr mit sich plötzlich öffenden Autotüren. Verhältnisse wie in der Heeper Straße bringen viele Menschen dazu, das Rad doch lieber stehen zu lassen. 

Planung provoziert Konflikte

Bisher vorgestellte Stadtbahnplanungen für die Straße Auf dem Langen Kampe zeigen, dass zwischen parkenden Autos und der Stadtbahn (laut Amt für Verkehr) nur noch 70 cm Platz für Radfahrer verblieben! Der nötige Sicherheitsabstand zwischen Radfahrer und Autotür könnte dabei gar nicht eingehalten werden. Wenn gerade kein Stadtbahnzug in der Nähe wäre, müssten Radfahrer, die die parkenden Autos mit Sicherheitsabstand (ca. 1,5 m) passieren, direkt an oder zwischen den Gleisen fahren und sich dadurch in Sturzgefahr begeben. 

Man kann sich leicht ausmalen, dass die meisten Radfahrer nicht im Gleisbereich fahren würden. Oder zwischen Stadtbahnzügen und parkenden Autos. Stattdessen würden sie die Gehwege benutzen. Eine Situation, die leider nicht unbekannt ist: Radfahrer und Fußgänger werden bewusst oder ungewollt, aber unvermeidlich auf unzureichende Nebenanlagen verdrängt, wo sie in Konflikt miteinander geraten. 

An anderer Stelle müssten Radfahrer im Langen Kampe beim Geradeausfahren die Seite wechseln und dabei die Stadtbahngleise schräg queren. Ein Beispiel für inhomogene und konfliktträchtige Verkehrsführung. 

Die Baugenossenschaft Freie Scholle hat einen anderen Vorschlag gemacht: Rad- und Fußverkehr in beiden Richtungen gemeinsam mit Autoverkehr auf relativ schmalen Fahrbahnen. Der ADFC meint: So etwas könnte akzeptabel sein für kurze Strecken innerhalb eines Wohngebietes und den dortigen Binnenverkehr. Es ist aber keine Lösung für eine überbezirkliche Radverkehrs-Hauptstrecke von fast einem Kilometer Länge. Ganz abgesehen von der starken Barrierewirkung der Gleise  für Radfahrer und Fußgänger.

Kein Stadtbahnbau gegen Rad- und Fußverkehr 

Der ADFC fordert Politik, Verwaltung, "moBiel" und "Freie Scholle" auf, sich von der Vorstellung einer Stadtbahn in der Straße Auf dem Langen Kampe zu verabschieden. Rad- und Fußgängerverkehr und öffentliche Verkehrsmittel sind die wichtigen umwelt- und sozialverträglichen Formen des Stadtverkehrs. Es wäre widersinnig, eine Stadtbahn zu Lasten der beiden anderen zu planen und zu bauen.  

Th. Boehm

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