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August-Bebel-Straße: Planung gefährlich für Radverkehr

27.08.15
Kategorie: Bielefeld, Aktuelles, Verkehr, Verkehrsplanung, Verkehrspolitik, Sicherheit

Variante 1: Hochgefährlich fürs Radfahren. Illustration: ADFC Bielefeld/Stefanie Odendahl, http://stefanieodendahl.com



Variante 2: Genug Abstand zu Autotüren und Gleisen. Illustration: ADFC Bielefeld/Stefanie Odendahl, http://stefanieodendahl.com


ADFC Bielefeld zeigt gravierende Sicherheitsmängel auf

Damit Fahrgäste künftig einen barrierefreien Zugang zur Stadtbahn haben, wird u.a. in der August-Bebel-Straße ein neuer Hochbahnsteig erforderlich. Aus diesem Anlass wird sie zwischen Nikolaus-Dürkopp-Straße und Bielsteinstraße vollständig umgebaut werden. Über die Art der Neugestaltung entscheiden politisch die Bezirksvertretung Mitte und der Stadtentwicklungsausschuss des Rates.

Das städtische Amt für Verkehr hat zwei alternative Varianten für den Umbau erarbeitet: „Variante 1“ ohne wesentliche Änderung gegenüber dem heutigen schlechten Zustand, jedoch diversen Mängeln für den Radverkehr. Und „Variante 2“ mit deutlich mehr Platz fürs Radfahren neben den Gleisen und ohne Gefährdung durch sich öffnende Türen rechts parkender Autos. Trotzdem empfiehlt das Amt der Politik, sich für „Variante 1“zu entscheiden.


Der ADFC Bielefeld hat in einer umfangreichen Stellungnahme die diversen Sicherheitsmängel und die „Radfahr-Verhinderungswirkung“ der Variante 1 gegenüber dem Amt für Verkehr, den politischen Gremien und der Öffentlichkeit dargestellt. „Die von der Verwaltung empfohlene Variante 1 ohne Radverkehrsanlagen führt zu einer massiven Benachteiligung und vor allen Dingen erheblichen Gefährdung des Radverkehrs“, so der ADFC Bielefeld in seiner Pressemitteilung.

Bei Variante 1 hätten Radfahrer/innen z.B. im Bereich der Ravensberger Straße bei einem Sicherheitsabstand von 1,5 m zu den rechts parkenden Autos praktisch keinen Abstand mehr zum Stadtbahn-Rillengleis auf ihrer linken Seite. Gleichzeitig werden sie direkt neben Parkplätzen und durchgehend in der Türöffnungszone von geparkten Autos geführt. Sie hätten daher nur noch die Wahl, mit einer sich öffnenden Kfz-Tür zu kollidieren oder alternativ deshalb zu stürzen, weil ihr Fahrrad in das Gleis gerät.

Sinnvolle Verbindung für den Radverkehr

Die Variante 1 steht in außerdem deutlichem Widerspruch zu bisherigen städtischen Bekenntnissen und Verpflichtungen im Zusammenhang mit Schutz vor Lärm und Feinstäuben, mit Emissionsvermeidung und Fuß-/Radverkehrsförderung. Mit Variante 1 würde der bisherige „Angstraum“ für Radfahrer/innen dauerhaft konserviert werden, obwohl es in der August-Bebel-Straße viele Ziele des Radverkehrs gibt. Und obwohl die Straße hier eine direkte und schnelle Verbindung zwischen der Ravensberger Straße und dem Kesselbrink und der nördlichen August-Bebel-Straße sein könnte. Der heutige Zustand ist: Fast niemand fährt aus nachvollziehbaren Gründen mit dem Rad auf der Fahrbahn - statt dessen aber auf dem Gehweg, wo es zu Konflikten mit Fußgänger/innen kommt.

Konstruktive Vorschläge des ADFC

Der ADFC Bielefeld rät daher dringend, die vom Amt für Verkehr nicht empfohlene Variante 2 (mit leichten Modifikationen) zu realisieren. So etwa begrüßt der ADFC eine Querungshilfe (Straßeninsel), die dem Radverkehr in der Rad-Hauptstrecke Ravensberger Straße das Überqueren der August-Bebel-Straße künftig sehr erleichtern würde. Unverständlicherweise war sie bisher nur in der Variante 1 vorgesehen - und dort der einzige positive Aspekt.

In jedem Fall müssten die beschriebenen Sicherheitsmängel der Variante 1 behoben werden. „Auch die  Polizei teilt in ihrer Verkehrserziehung und Verkehrsunfallprävention unsere Meinung, dass an parkenden Kfz mit einem Abstand von 1,5 m vorbeigefahren werden muss“, so der ADFC weiter. Er hat deshalb die Bezirksvertretung Mitte aufgefordert, in ihrer Sitzung am 20. August die Variante 1 aufgrund der beschriebenen erheblichen Sicherheitsmängel auf jeden Fall zurück zu weisen.

Erster Erfolg

Auf ihrer Sitzung hat die Bezirksvertretung Mitte dann beschlossen, sich wegen der vielen offenen Fragen (u.a. aufgrund der Stellungnahme des ADFC) erst Ende September 2015 wieder mit dem Umbau zu beschäftigen. Bis dahin soll das Amt für Verkehr eine neue Variante erarbeiten.

Th. Böhm

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