Eine sehr abwechslungsreiche Tour, die tolle Landschaftserlebnisse bietet. Teils naturbelassene Wege. Mehrere ungesicherte Straßenquerungen (Brockhagener Straße, Osnabrücker Straße und weitere).

Start- und Zielpunkt: Tourist-Information/Rathaus, Bielefeld-Mitte
Streckenlänge: 46 km, 260 Höhenmeter

Text und Fotos von Claudia Böhm

Geeignete Radwanderkarte mit Knotenpunkten: Bielefeld und Umgebung, 1:50.000, 5. Auflage 2020, Bielefelder Verlag BVA, ISBN 978-3-87073-956-0, https://www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-bielefeld/touren/radkarten/radwanderkarte-bielefeld-und-umgebung.html#c1408

GPX-Daten dieser Tour: Die GPX-Daten enthalten den geplanten Verlauf der Tour: mit schönerem Rückweg als in der Beschreibung durchs Luttertal und über den Haller Weg zurück nach Bielefeld-Mitte. 

Knotenpunkte: 22 – 26 – 38 – 35 – 78 – 77 – 86 – (durchs Schopketal bis Haus Neuland, siehe Beschreibung im Text) – 15 – 18 – 21 – 19 – 25 - 78 – 62 – 57 – 51 – 52 – 50 – 49 – 42 – 36 – 30 – 32 – 51 – 44 – 21 – 22

Planung der Tour  

Durch die Knotenpunkte ist es nun noch leichter geworden, individuelle Radtouren zu planen. Unser Touren-Tipp kombiniert die neuen Themenrouten „Bielefelder Silhouetten Süd“ und „Pillepoppen“ mit einem Schlenker durchs Schopketal zu einer 46-Kilometer-Runde über Stieghorst, Sennestadt, Windelbleiche und Quelle. Es sollte eine ruhige, stressfreie Tour werden, weshalb wir darauf geachtet haben, nur ruhige Straßen und Radwege auszuwählen.

Von Mitte nach Stieghorst

Von der Innenstadt geht’s los mit „Silhouetten Süd“ Richtung Osten. Den Abstecher zur Synagoge an der Detmolder Straße lassen wir aus und sind so bald in dem Grünzug parallel zur Stadtbahn nach Stieghorst. Vom Park Stieghorst führt die Route im Zickzack hinauf zum Lipper Hellweg und weiter auf dem Radweg an der Oerlinghauser Straße. Der Anblick der grünen Kuppen des Teutoburger Waldes vor uns und der leuchtenden roten Mohnblumen (jahreszeitbedingt) in dem Getreidefeld neben uns beflügelt den Tritt auf der langen Steigung.


Der Radweg an der Oerlinghauser Straße  

Über den Teuto

Die Themenroute „Silhouetten Süd“ zweigt bald darauf von der Oerlinghauser Straße nach Süden ab und überquert den Teuto auf der Lämershagener Straße. Das kommt für uns nicht in Frage! Denn auf der Lämershagener Straße ist Tempo 70 erlaubt und es gibt keinen Radweg – das passt einfach nicht zu unserer Vorstellung von einem entspannten Radausflug. Also verlassen wir am Knotenpunkt 77 die „Silhouetten Süd“ und fahren weiter auf dem Radweg Richtung Oerlinghausen. Kurz vor Knotenpunkt 86 erreichen wir den höchsten Punkt und genießen den tollen Blick zurück in das Tal zwischen Teutoburger Wald und Ubbedisser Berg, in dem wir gerade hochgeradelt sind.

Highlight Schopketal


Das idyllische Schopketal am Südhang des Teutoburger Waldes

Auf der folgenden Abfahrt darf man nicht zu schnell werden, um den Abzweig in die kleine Straße „Schopke“ nicht zu verpassen. Die „Schopke“ führt weiter bergab zu einem Wanderparkplatz. Hier beginnt ein Highlight der Tour: das Schopketal. Der naturbelassene Wanderweg schlängelt sich dicht am Bach durch das Tal. Das dichte Blätterdach spiegelt sich in dem Wasser und lässt es leuchtend grün erscheinen. Eine zauberhafter Ort! Nach der Brücke über die Schopke endet der idyllische Weg. Hier ändert sich das Landschaftsbild abrupt: Wir verlassen den Buchenwald und das feucht-kühle Bachtal und fahren in die trocken-sandige Landschaft der Senne mit ihren duftenden Kiefern. Weiter geht es auf einem geschotterten Fahrweg bis zum Haus Neuland. 

Überraschung in der Beckhof-Siedlung

Kurz hinter Haus Neuland am Senner Hellweg treffen wir wieder auf das Knotenpunkt-Netz. Hier am Knotenpunkt 16 haben wir die Wahl: rechts ab nach Sennestadt, links zum Segelflugplatz Oerlinghausen oder geradeaus weiter am Bach entlang. Wir entscheiden uns für geradeaus entlang des Baches, der ab hier Menkhauser Bach heißt, und folgen den Schildern der Route „Pillepoppen“. In dieser Ecke von Bielefeld sind wir zum ersten Mal und positiv überrascht von der schönen ruhigen Strecke zwischen Feldern und Pferdeweiden. Das folgende Industriegebiet ernüchtert uns etwas. Aber dann blitzt links neben der Route eine goldene Kuppel zwischen den Häusern der Beckhof-Siedlung durch. Wir wollen wissen, wozu die Kuppel gehört und biegen ab.


Das Torhaus der russisch-orthodoxen Kirche in der Beckhof-Siedlung.


Deckengemälde in der der russisch-orthodoxen Kirche 

Die glänzende Kuppel krönt das Torhaus einer russisch-orthodoxen Kirche. Dahinter sehen wir eine zweite, blau-gold gestreifte Kuppel auf einem Flachbau. Eine Gruppe von Männern ist dabei, das Gebäude – eine ehemalige Kantine – zu renovieren und umzubauen. Von einem der Männer erfahren wir, dass noch eine dritte Kuppel geplant ist. Er zeigt uns auch das Innere der Kirche: den großen Verkündigungssaal und die Kapelle der Heiligen Xenia von Petersburg. Die Wände und Decken der Räume sind aufwändig gestaltet mit Gemälden in sanften und doch leuchtenden Farben. Der Raumeindruck ist überwältigend. Welche schöne Entdeckung!

Vielfältige Landschaft im Süden von Sennestadt und Senne

Den folgenden Abschnitt der Tour könnte man auch als Brückentour bezeichnen, denn wir überqueren fünfmal eine Autobahn. Die Brücken sind gut gemacht: nicht zu steil und gut befahrbar. Und die Route verläuft auf ruhigen Straßen und Wegen, meist in großer Entfernung zur Autobahn und ihrem Lärm.


Der Teich an der Wintersmühle in Sennestadt 

Um den Teich hinter der Wintersmühle führt ein Weg herum. Wir suchen uns eine Bank mit Blick auf die Seerosen und machen eine kleine Pause. Ein schönes Plätzchen – leider hört man hier den Lärm der nahen Autobahn!

Naturschutzgebiete Hasselbachaue und Rieselfelder Windel


Dammweg durch die Hasselbachaue

Ohne die neu ausgeschilderte Pillepoppen-Route hätten wir auch das nächste Highlight wahrscheinlich nie entdeckt: die Hasselbachaue. Zunächst führt der Weg durch die Aue auf einem Damm und ist gut befahrbar. Dann folgt ein kurzer holpriger Abschnitt.


Beobachtungsturm in den Rieselfeldern Windel

In den Rieselfeldern Windel steuern wir als erstes die barrierefreie Beabachtungshütte an, die direkt an der Radroute liegt. Wir packen wir unsere Ferngläser aus und entdecken Lachmöwen-Küken auf den kleinen Inseln im Teich. Außer dieser Hütte gibt es noch drei Türme in den Rieselfeldern, von denen aus man in die weite Landschaft schauen kann.

Sennefriedhof

Wir haben auf der Tour soviel Interessantes entdeckt, dass wir deutlich länger gebraucht haben als geplant. Deshalb lassen wir das nächste idyllische Tal – das Luttertal in Quelle – aus und kürzen den Rückweg ab.  Vom Senner Waldbad fahren wir über Brinkstraße und Friedhofstraße Richtung Brackwede und nutzen dann wiedeein Stück der Route „Bielefelder Silhouetten Süd“, das über den Sennefriedhof verläuft. Die Route führt in einem Bogen über den Friedhof, der einem Landschaftspark gleicht. Auf einem Ehrenfeld rechts neben Route am Rande des Friedhofes sind übrigens ehemalige ZwangsarbeiterInnen bestattet, die Ende der 50er Jahre in der Beckhof-Siedlung eine neue Heimat gefunden hatten. Wie verlassen den Friedhof zwischen den Torhäusern hindurch und nehmen den schnellen, aber unschönen Weg über Hauptstraße und Artur-Ladebeck-Straße zurück nach Bielefeld-Mitte. 

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