Erste Stellungnahme zum Gewerbegebiet Flughafen

28.04.21
Kategorie: Gütersloh

Erste Ideenskizze für eine autoarme Anbindung des Gewerbegebiets an das vorhandene Radverkehrsnetz


ADFC fordert fahrradfreundliche Verkehrsanbindung zum Flughafen/Parsevalsiedlung

Gütersloh/Harsewinkel. Der ADFC Kreisverband Gütersloh hat im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung eine Stellungnahme zur Verkehrsanbindung des Flughafenareals bei den Städten Gütersloh und Harsewinkel eingereicht.

Erstaunt nimmt der ADFC zur Kenntnis, dass in der Begutachtung die Förderung des Radverkehrs zwar genannt wird, jedoch keine konkreten Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs gelistet werden. Wir haben daher den Eindruck gewonnen, dass es sich nur um Lippenbekenntnisse handelt und halten die bisher veröffentlichten Planungen für unzureichend.

Wir bitten Sie, bei den weiteren Planungen folgende Aspekte von Beginn an mitzuplanen:

1.: Keine neuen Gewerbegebiete ohne eine sichere und komfortable Radverkehrsanbindung!

Radverkehr ist Angebotsplanung. Zunächst muss eine zeitgemäße Infrastruktur bereitstehen, dann stellt sich die Nutzung automatisch ein. Die Infrastruktur ist eine Grundvoraussetzung, um den Berufsverkehr vom Auto auf das Fahrrad zu verlagern. Es ist nicht akzeptabel, den Radverkehr auf dem ungesicherten Seitenstreifen einer viel befahrenen Bundesstraße bei Tempolimit 70 km/h zu führen. Auf einer Bundesstraße, auf der durch die bauliche Gestaltung oftmals gerast wird, ähnlich wie auf der Münsterlandstraße, auf der 2012 ein Radfahrer durch einen rasenden Autofahrer von hinten überrollt wurde und tödlich verunglückte. Ebenso ist es nicht akzeptabel, den Radverkehr über „zick-zack“ schlagende Wirtschaftswege wie Oester abzuwickeln. Gerade der Alltagsradverkehr ist umwegsensibel und benötigt eine direkte und sichere Wegeführung.

Eine sichere und leistungsfähige Verbindung ist dabei sowohl aus Richtung Gütersloh wie auch aus Richtung Harsewinkel erforderlich. Mehrere Varianten einer sicheren Verkehrsführung bieten sich entlang der Bundesstraße 513 an:

  • Auf jeder Seite verläuft ein baulich abgesetzter Radweg gemäß Qualitätskriterien des Alltagsradwegenetzes Kreis Gütersloh
  • Die Radwegeführung wird als beidseitige Protected Bikelane mit baulicher Trennung entlang der B513 denkbar

Die Planung eines einseitigen Zweirichtungs-Radwegs ist aus ADFC-Sicht nicht die bevorzugte Lösung. Gründe dafür sind eine erhöhte Kollisionsgefahr, Blendung durch entgegenkommende Autofahrende, doppelte Querung der Fahrbahn sowie nicht zu unterschätzen die Anordnung und damit Verpflichtung für das Radfahren in die „falsche“ Richtung, womit sämtliche Bemühungen zur Eindämmung des Geisterradfahrens konterkariert werden.

Alternativ oder ergänzend dazu sind auch weitgehend autoarme oder gar autofreie Zuwegungen zum Gewerbegebiet denkbar:

  • Eine südliche Zuwegung aus Richtung Gütersloh könnte über eine Verlängerung des Paul-Westerfrölke-Wegs entlang der Ems erfolgen. Diese Strecke hätte über die Erschließungsfunktion des Gewerbegebiets am Flughafen hinaus noch die weitere wichtige Funktion, eine Lücke im touristisch genutzten Emsradweg zu schließen und diesen damit deutlich zu attraktivieren.
    Wir haben jetzt die Chance, diesen Schritt in Angriff zu nehmen und die bereitstehenden Fördermittel des Bundes und anderer Fördertöpfe sinnvoll für Grunderwerb zu nutzen, um damit eine Dreifachnutzung sowohl für den Alltags- wie den Freizeit- als auch Touristikverkehr zu erzielen.
  • Eine nördliche Zuwegung aus Richtung Gütersloh könnte über die Straßen Im Wiedey und neu zu bauende Verbindungstrecken erfolgen; Ergänzend sollte die Brockhäger Straße zwischen Gütersloh und Ortseingang Blankenhagen als Protected Bikelane ausgebaut werden
  • Eine südliche Zuwegung aus Harsewinkel könnte ebenfalls an den Emsradweg anschließen und eine weitere Lücke in diesem schließen

Der ADFC hat für diese Zuwegungen zur Verdeutlichung eine erste Ideenskizze als digitale Karte erzeugt (blaue Linie: weitgehend Bestand, grüne Linie: sinnvolle Lückenschlüsse):

https://umap.openstreetmap.fr/de/map/gewerbegebiet-gutersloh-harsewinkel-herzebrock_599110

2.: Kein Flächenparken im neuen Gewerbegebiet, kein kostenloses Kfz-Parken!

Das neue Gewerbegebiet soll laut Präsentation die vorhandenen Flächen effizient nutzen. Dies ist auch aus Sicht des ADFC unbedingt erforderlich. Dazu gehört auch, dass auf dem gesamten Gewerbegebiet wie auch auf weiteren zu entwickelnden Gewerbegebieten kein ebenerdiges Kfz-Parken möglich sein darf. Der ADFC plädiert dafür, dass die ansiedelnden Unternehmen auf eigene Kosten im Gewerbegebiet Sammelparkhäuser für die Kfz der Mitarbeiter anlegen. Die Parkhäuser sind zu bewirtschaften.

Radfahren muss gefördert werden, indem Radabstellanlagen deutlich näher an den Unternehmenseingängen liegen als Sammelparkhäuser.

Unternehmen haben in der Folge ein großes Interesse daran, mehr Radverkehr stattfinden zu lassen, ebenso werden die Mitarbeitenden die Möglichkeit zu schätzen wissen, Parkgebühren einzusparen.

3.: Verkehrszunahme auf der B513 verhindern!

Durch die Ansiedlung eines Gewerbegebietes und die damit einhergehenden Mitarbeiter-, Kunden- und Anlieferungsverkehre erhöht sich das Verkehrsaufkommen der Erschließungsstraßen. Hierdurch wird eine ohnehin schon stark belastete Bundesstraße inkl. der Knotenpunkte weiter belastet.

Da der LKW-Anlieferungsverkehr kaum vermieden werden kann, muss die Kompensation insbesondere beim Kfz erfolgen. Selbst bei Umsetzung der Forderungen 1 und 2 würde jedoch immer noch mehr Verkehr über die B513 stattfinden als ohne das Gewerbegebiet. Es sind daher weitergehende Maßnahmen erforderlich, um auch einen Teil des aktuellen Verkehrs in Richtung ÖPNV zu verlagern. Der ADFC schlägt daher einen für die Nutzer kostenlosen Schnellbusverkehr zwischen Gütersloh und Harsewinkel mit Durchfahrt über das Flughafengelände vor. Nach Eröffnung der TWE-Strecke für den Personenverkehr ist das Angebot auf diese Strecke auszuweiten.

Daniel Neuhaus

Über den ADFC

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit über 200.000 Mitgliedern, der die Interessen von Radfahrern und Fußgängern unterstützt. Zu den Tätigkeitsschwerpunkten zählt Verkehrspolitik, die Durchführung von Radtouren und Verbraucherschutz.

Im Kreis Gütersloh ist der Verein mit einem eigenständigen Kreisverband vertreten. Die ehrenamtlichen Aktiven im Kreisverband Gütersloh bieten jedes Jahr ein Programm mit zahlreichen geführten Radtouren an, die auch für Nicht-Mitglieder offen stehen. Über Info-Stände und Pressemitteilungen werden die Bürger im Kreis Gütersloh zudem über Neuigkeiten rund ums Fahrrad informiert. Mit den Städten und Gemeinden ist der ADFC Gütersloh in intensivem Kontakt und stellt mit der Mängel-Datenbank eine Infrastruktur bereit, um für eine schnelle Beseitigung von Mängeln an Radverkehrsanlagen zu sorgen.

Der Fahrrad-Club ist im Internet sowohl unter www.adfc-guetersloh.de als auch in Facebook unter den Stichwörtern „ADFC Gütersloh“ zu finden.

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