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Öffnung eines Tunnels statt Chaos in der Altstadt

27.04.21
Kategorie: Köln, Verkehrspolitik




Die Verwaltung wird kurzfristig keinen Radweg im Rheinufertunnel installieren. Offenbar gibt es verschiedene Gründe aus den Bereichen Brandschutz, Belüftung, Beleuchtung und Lärmschutz, die dagegen sprechen, den Radverkehr neben dem Kfz-Verkehr durch den Tunnel zu führen.

Das ist insoweit nicht überraschend. Spätestens seit dem Radverkehrskonzept Innenstadt ist klar, dass die technischen Voraussetzungen für einen Radweg im Tunnel erst geschaffen werden müssen. Überraschend ist allerdings, dass sich die Verwaltung offenbar erst vor Kurzem intensiver mit der Frage beschäftigt hat, was konkret getan werden muss.

Das Amt für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau und das Team des Fahrradbeauftragten wollen nun in die Planung einsteigen, auf der Grundlage einer kürzlich erstellten Machbarkeitsstudie. Wir sind gespannt und hoffen darauf, dass nun zeitnah schlüssige Lösungskonzepte gezeigt werden. Da wir mittlerweile seit fast 30 Jahren auf die Umsetzung von Ratsbeschlüssen zur Schaffung einer rheinnahen Nord-Süd-Verbindung für den Radverkehr warten, können wir hier auch nicht mehr von einem Schnellschuss sprechen.

Für die Zeit der Renovierung der Kragplatte kommt all dies jedoch zu spät. Die Uferpromenade zwischen Deutzer Brücke und Fischmarkt wird mindestens 15 Monate lang eine Engstelle sein. Die Verwaltung hat nun dargelegt, wie sie sich den Verkehr während der Bauzeit vorstellt:

  • Für den Kfz-Verkehr auf der Rheinuferstraße ändert sich nichts.
  • Um den Schiffsverkehr der Köln-Düsseldorfer nicht zu sehr zu beeinträchtigen, wird sichergestellt, dass immer ein Anleger zugänglich ist. Die Bauarbeiten werden extra dafür in zwei Schritten vollzogen.
  • Fuß- und Radverkehr können große Teile der Uferpromenade nicht mehr benutzen. Der Radverkehr soll über den Buttermarkt durch die Altstadt geführt werden.

Wir sind der Überzeugung, dass das für Fuß und Rad vorgesehene Szenario nicht funktionieren wird. Die Umleitungspläne sind nicht tragbar, sie sind ärgerlich und im schlimmsten Fall sogar gefährlich – für Gastronomen und Gewerbetreibende in der Altstadt ebenso wie für Zufußgehende und Radfahrende.

 

Umleitung durch die Fußgängerzone geht gar nicht

Der Buttermarkt ist eine als Fußgängerzone ausgewiesene Gasse mit mehr als einem Dutzend gastronomischen Betrieben und ebenso vielen weiteren Geschäften auf einer Länge von 170 Metern. Von Hauswand zu Hauswand ist die Gasse zwischen 7 und 8 Meter breit. An unübersichtlichen Ecken kreuzen Salzgasse, Hafengasse und Lintgasse den Buttermarkt. Am nördlichen Ende befindet sich der Fischmarkt, ein belebter Platz mit Außengastronomie, einem Brunnen und zahlreichen Bäumen. Am südlichen Ende stößt der Buttermarkt auf die Markmannsgasse, der Hauptverbindung zwischen Heumarkt und der Frankenwerft für Fußgänger und den Lieferverkehr zum Schiffsanleger.

Radverkehr ist im Buttermarkt nicht erlaubt, aus guten Gründen. Die Gasse ist eng, die Ecken unübersichtlich, und das Kopfsteinpflaster grob. Vor allem aber der Charakter als Bummel- und Gastromeile verbietet es schon unter normalen Umständen, dort mit dem Rad zu fahren.

Wenn die Promenade gesperrt wird, werden sich Fußgänger*innen stärker in die Altstadt bewegen – auch in den Buttermarkt. Die Skizze der Verwaltung suggeriert, dass Rad- und Fußverkehr fein säuberlich voneinander getrennt auf den ihnen zugewiesenen Nord-Süd-Strecken fließen werden. Das wird nicht der Fall sein. Weil auch während der Bauzeit immer mindestens ein Schiffsanleger in Betrieb bleibt, werden die Fußgänger*innen zunehmend auch die in Richtung Heumarkt und Altermarkt querenden Gassen Lintgasse, Salzgasse, und Hafengasse nutzen. Es ist unverantwortlich, unter diesen Umständen Radverkehr nicht nur zuzulassen, sondern aktiv in die enge Gasse in der Altstadt zu lotsen.

 

Sperrung oder Gleichberechtigung?

Es bleiben nur zwei Lösungen: Rheinufer und Altstadt könnten während der Bauzeit für den Radverkehr gesperrt und großräumig über die Ringe umgeleitet werden. Eine andere Nord-Süd-Verbindung gibt es nicht, und so wären Pendlerverkehr und Tourismus am Rheinufer de facto unterbrochen – und Kölns Ambitionen, fahrradfreundlich zu werden, wären um Jahre zurückgeworfen. Die andere Lösung: Der rheinseitige Tunnel wird allein für den Radverkehr verwendet (ggf. zusammen mit dem KVB-Busverkehr), der domseitige für den Kfz-Verkehr. Wenn laut Verwaltung Rad- und Kfz-Verkehr nicht gemeinsam im Tunnel geführt werden können, müssen sie getrennt werden. Eine Tunnelröhre für Kfz, und eine für Rad.

So werden die technischen Herausforderungen einer gemeinsamen Führung von Kfz- und Radverkehr in einer Tunnelröhre elegant umschifft. Wer glaubt, der gesamte Kölner Kfz-Verkehr breche dabei zusammen, dem sei gesagt: Auch bei der anstehenden Generalsanierung des Tunnels wird es dazu kommen, dass jeweils eine Röhre voll gesperrt wird.

Die Versäumnisse der letzten Jahre können nun nicht mehr aufgeholt werden. Die jetzt anstehende Diskussion und Entscheidung werden zeigen, wie es um die vielzitierte Gleichberechtigung der Verkehrsmittel in Köln bestellt ist. 


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