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Schlechte Radwege sind gefährliche Radwege

02.09.13
Kategorie: Verkehr, Krefeld/Kreis Viersen

ADFC fordert Modernisierungsprogramm für Krefelder Radwege und stellt eigene Prioritätenliste vor

Echter Flüsterasphalt gehört auf Radwege. Während in Krefeld gerade wieder größere Fahrbahnabschnitte mit Flüsterasphalt modernisiert wurden, ist die Radwege-Mängelliste des ADFC Krefeld kaum noch überschaubar. Sie weist inzwischen 80 Einträge auf, wobei viele gleich für eine ganze Serie von Schlaglöchern und Wurzelaufbrüchen an längeren Straßenabschnitten stehen. Die Internet-Datenbank basiert auf Meldungen von Bürgern und ehrenamtlichen Aktiven des Clubs, enthält aber trotz des Umfangs nur gravierende Mängel ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Die einstige Vorreiterstadt in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte in NRW (AGFS) droht auf die hinteren Ränge zurückzufallen. Da die Arbeiten der Stadtverwaltung an einem Mängelkataster und einer Prioritätenliste für die Unterhaltung und Sanierung von Radwegen offenbar ins Stocken geraten sind, hat der ADFC eine eigene Prioritätenliste mit Maßnahmenvorschlägen erstellt. Damit gibt der Verband einen Handlungsleitfaden für Politik und Verwaltung. Auch bei einer noch so angespannten Haushaltssituation darf der Etat für die Unterhaltung von Radverkehrsanlagen nicht auf Null gefahren werden. Ohne die Verabschiedung eines Sanierungsetats im Stadtrat und die Einleitung eines Modernisierungsprogramms für den Fahrradverkehr wird Krefeld das Attribut fahrradfreundlich sehr bald verlieren.

Außerdem fehlt für viele als benutzungspflichtig beschilderte Radwege inzwischen die Rechtsgrundlage. Seit 1997 sind benutzungspflichtige Radwege nur noch zulässig, wenn auf der Fahrbahn eine objektive Gefahrenlage besteht, die anders nicht abgewendet werden kann. Schlechte Radwege stellen aber in jedem Fall ein Sicherheitsrisiko dar. Untersuchungen der Versicherungsverbände haben ergeben, dass Radwege an Straßen mit vielen Einmündungen keinen Sicherheitsgewinn bringen. Aktuelle schwere Unfälle durch abbiegende Kraftfahrzeuge bestätigen diese Erkenntnis. Auch die immer häufiger praktizierte dauerhafte Aufstellung von Schilder "Achtung: Radwegschäden" löst das Problem nicht und ist laut einem Berliner Gerichtsurteil von 2012 unzulässig.

Bei einem Radwegenetz von über 300 km Länge kann die Lösung nur darin bestehen, dass Radwege an stark befahrenen Hauptverkehrsstraßen saniert und nicht zwingend notwendige Radwege konsequent aufgehoben werden. Die Prioritätenliste des ADFC gibt dazu gezielte Maßnahmenvorschläge. Damit sollten Politik und Verwaltung das Kostenvolumen abschätzen können.

Andreas Domanski

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