Aktuelles aus der Ortsgruppe Lüdinghausen

Flugzeugturbinen in Werne

05.05.19

ADFC Selm und Lüdinghausen


ADFC besucht Erdgas Verdichterstation

Radfahrer fahren auf dem Weg von Südkirchen nach Cappenberg an einem eingezäunten Gelände vorbei, auf dem es ausser vieler dicker Rohre wenig zu sehen gibt. Und doch steht hier viel beeindruckende Technik, denn es ist die Erdgas-Verdichterstation Ehringhausen der Open Grid Europe GmbH bei Werne.

Diese Verdichterstation ist die wichtigste und größte Anlage in dem über 12.000 km langen, verzweigten Gasverteilernetz, das in Deutschland ca. 80 % des Erdgases transportiert. Es kommt aus verschiedenen Quellen ganz im Norden und im Osten Deutschlands und wird nach Süden oder Westen durchgeleitet. Dafür braucht es „Hochdruck“.

Der ADFC Selm hatte jetzt eine Besichtigung der interessanten Anlage organisiert und auch Mitglieder des ADFC Lüdinghausen mit auf die Pättgestour genommen. Tourenleiter Rainer Sdunowski führte die Gruppe auf schönen Pättges über Südkirchen in Richtung Werne.

Sicherheit wird dort großgeschrieben, den wer das Areal betritt, erhält zunächst eine Einweisung und muss eine spezielle Schutzkleidung, Helm und Sicherheitsschuhe anlegen. Handys sind verboten und müssen im Besprechungsraum bleiben.

25 Prozent des Erdgases, das  Deutschland  verbraucht, wird hier in Werne  umgeschlagen. 10 Leitungen führen in die 13 Hektar große Station hinein, 7 wieder hinaus. Neben den acht bestehenden Maschineneinheiten am Standort sollen drei weitere zugebaut werden. Die riesigen Kompressoren werden von einem Hersteller in Amerika geliefert. „Das sind im Grunde umgebaute und fest auf dem Boden stehende Flugzeug-Triebwerke“, sagt Jürgen Hombrecht, der die Gruppe heute durch die hoch schallgeschützte Anlage führt.

Interessant sind auch all die anderen technische Komponenten wie Filter, Kühler und Anlagen zur Gasverteilung einschließlich großer Absperr- und  Messarmaturen. Durch spezielle Flansche können „Molche“, das sind Überwachungs- und  Servicekapseln, in den Gasstom eingeschleust werden. Die meisten großen Rohre verlaufen allerdings unterirdisch in bis zu fünf Metern Tiefe. Mit bis zu 70 bar Druck kommt das Erdgas in Werne an und wird nach Durchlaufen der Vor- und Nachverdichtung mit 100 bar und dann auf 50 Grad abgekühlt, durch Rohre mit großer Nennweite weitergeleitet. Das höherwertige H-Gas aus der Nordsee und das L-Gas, das einen niedrigeren Brennwert besitzt, werden getrennt verarbeitet, können bei Bedarf aber auch gemischt werden.

Nach der spannenden Führung und vielen Rückfragen ging es bei leichtem Nieselregen auf den Rückweg.

Herbert Baur

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