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ADFC Fahrradklimatest 2020 - Münster holt auf

24.03.21
Kategorie: Aktionen, Kreisverbände, Münster, Presse, Verkehr

@ADFC



Fahrradalltag in Deutschland @ADFC-Gerhard Westrich



@ADFC-Gerhard Westrich



Fahrrad-Promenade Münster @Peter Wolter



Parken im Kreuzviertel @Peter Wolter


Auch wenn es zum zweiten Mal nicht für den 1. Platz bei der heimlichen Fahrradhauptstadt Münster gereicht hat, so kann sich das Ergebnis in vielen Teilen sehen lassen (siehe Tabelle). Die Gesamtbewertung mit 3,17 (Schulnote) stellt zwar eine Verbesserung zu 2018 um 0,14 dar, ist aber noch weit von einem Gut entfernt.

230.000 Teilnehmer (NRW 60.200) haben im Herbst 2020 an der neunten Befragung zum Fahrradklima in Deutschland teilgenommen. 1.024 Städte kamen dabei in die Bewertung, was eine Rekordbeteiligung darstellt. Die Durchschnittsbewertung bundesweit mit 3,9 (Schulnote) ist völlig unbefriedigend für die Deutsche Fahrradpolitik. Hier ist die Rankingliste der Gewinner.


Drei Kritikpunkte fielen bundesweit besonders auf:


- 80 Prozent der Befragten finden die Radwege zu schmal


- Für 75 Prozent sind mangelnde Falschparker-Kontrollen auf Radwegen ein Problem


- 69 Prozent fühlen sich beim Radfahren nicht sicher


Für Münster sehen die Hauptkritikpunkte wie folgt aus.


- Fahrraddiebstahl


- Breite der Radwege


- Konflikte mit Kfz


- Mangelnde Falschparkerkontrollen auf Radwegen


Die vier besten Bewertungen sind folgende:


- Alle fahren Fahrrad


- Erreichbarkeit des Stadtzentrums


- geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung


- Wegweisung für Radfahrende


Der ADFC Münsterland lud am 16. März zu einer Videokonferenz die Medien und Mitarbeiter der Stadt Münster zur Erörterung des Fahrradklimatestes ein. Der Vorsitzende des ADFC Münsterland, Manfred Döpper, lobte die Fahrradförderung der letzten Zeit in Münster, was sich auch in den Zahlen widerspiegelt. Er betonte aber auch, es gibt noch viel Luft nach oben, vor allem wenn man berücksichtigt, dass der Rat der Stadt Münster einen 50 Prozent Anteil des Fahrradverkehres am täglichen Verkehrsaufkommen anstrebt.

Der Verkehrsplaner der Stadt Münster, Michael Milde, betonte: „ 3,17 als Schulnote für Münster, ist nicht unser Anspruch. Doch wir sind seit gut zwei Jahren auch Dank unseres hochmotiviertenfünfköpfigen Fahrradbüros und vielen Projekten, die teilweise schon sichtbar sind oder jetzt in dieUmsetzungsphase kommen werden, auf einem sehr guten Weg.“

 

 

Radfahrende schauen vermehrt kritisch auf die Radverkehrsinfrastruktur

 


„Auch in Münster sind die Ansprüche der Radfahrenden in den letzten Jahren gestiegen und schlagen sich im Ergebnis des Fahrradklimatests nieder – dies ist vollkommen nachvollziehbar und liegt nicht zuletzt am hohen Radverkehrsanteil auf oftmals zu schmalen Wegen. Der Hinweis auf gegenseitige Rücksichtnahme reicht alleine einfach nicht aus, um das Fahrradklima zu verbessern. Stattdessen müssen wir weiter massiv in unsere Radverkehrsinfrastruktur investieren und den Verkehrsraum umverteilen, denn nur sehr begrenzt erweiterbar. Bei unseren Fahrradstraßen, Velorouten und der Fahrradnetzplanung 2.0 sind wir auf einem guten Weg. Eine intensive Bürgerbeteiligung, wie sie derzeit und künftig bei diesen Projekten stattfindet, wird uns helfen, die Akzeptanz zu steigern und das Fahrradklima zu verbessern““, so Phillip Oeinck, vom Fahrradbüro der Stadt.

 

 

Das Fahrrad ist kein Freizeitvehikel sondern ein vollwertiges Verkehrsmittel!

 

 

Matthias Wüstefeld vom ADFC wollte wissen, warum die Information der Verkehrsteilnehmer auf der Wolbecker Straße, zur Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht, nur mit sehr kleinen Schildern erfolgt ist, er würde fast täglich von unwissenden Autofahrern angehupt, die ihn auf den Radweg verweisen?

Wir haben aus der Situation an der Wolbecker Straße gelernt und werden künftig viel prominenter auf die Aufhebung der Benutzungspflicht hinweisen, damit solche unschönen Begleiterscheinungen möglichst vermieden werden“, so Phillip Oeinck vom Fahrradbüro.


Manfred Döpper versprach zum Schluss der Gesprächsrunde, dass der ADFC gerne mit allen und insbesondere mit dem Fahrradbüro zusammenarbeiten wird, damit das Fahrrad weiter seinen Stellenwert als Verkehrsmittel und seinen Beitrag zur Verkehrswende in der Stadt ausbaut. Der bisherige Dialog mit den Vertretern der Stadt stimme ihn da sehr optimistisch. Vielleicht schafft es Münster dann in 2022 oder spätestens 2024 wieder den ersten Platz beim ADFC Fahrradklimatest zurück zu gewinnen!



Stellungnahme der ADFC Fachgruppe Radverkehr

 

"Die Radfahrenden schauen vermehrt kritisch auf die Radverkehrsinfrastruktur. Da der Radverkehrsanteil in Münster zugenommen hat wird es zunehmend enger auf den überwiegend immer noch benutzungspflichtigen Radwegen. Schnell Radfahrende gehören auf die Fahrbahn, um langsamer fahrende und zu Fuß gehende nicht zu gefährden. An der Wolbecker Straße wurde ein Anfang gemacht, es braucht aber auch vielerorts noch bauliche Veränderungen, auch um die weiterhin hohen Unfallzahlen endlich zu senken. Warnwesten allein reichen nicht und Helme mildern allenfalls die Unfallfolgen.


In den letzten zwei Jahren seit dem letzten Fahrradklimatest haben wir schon den Eindruck, dass Münster mehr für den Radverkehr tut. Ob es sich um Fahrradstraßen nach neuen Qualitätsstandards handelt oder die Velorouten, die leider unterhalb des Radschnellwegestandards bleiben und somit auch keine Förderung vom Land oder Bund erhalten. Das Fahrradbüro ist mit inzwischen 5 Stellen besetzt, erfreulicherweise auch mit zwei Frauen, denn das Thema Verkehr und Mobilität ist allgemein zu einseitig männlich dominiert.


Seit Ende 2019 gibt es mit dem neu geschaffenen Arbeitskreis Radverkehr erstmals seit 2016 wieder einen planmäßigen Austausch zwischen Stadt und ADFC. Velorouten, Fahrradparken und Fahrradnetzplanung sind nur einige Themen, die dort besprochen und erarbeitet werden. Auch die Ergebnisse und Kommentare des Fahrradklimatests werden wir dort einbringen."

 





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