ERA 2010: Grundlage für Planung & Betrieb von Radverkehrsanlagen

06.12.10
Kategorie: Aktuelles

Abb. 1, ADFC | Empfehlungen für Radverkehrsanlagen, ERA Ausgabe 2010



Abb. 2, ADFC | Der Schutzstreifen ist ein Teil der Fahrbahn und darf ggf. vom Kfz überfahren werden. In beengten Straßenräumen und bei wenigen Parkvorgängen kann vom Regelmaß abgewichen und auf die parkbuchtnahe Markierung verzichtet werden.



Abb. 3, ADFC | Radfahrstreifen sind durch Zeichen 295 StVO (Breitstrich) abgetrennte Sonderfahrstreifen. Sie sind für den Radverkehr immer benutzungspflichtig. Vom Kfz-Verkehr dürfen sie überquert aber nicht in Längsrichtung befahren werden.



Abb. 4, ADFC | Nur bei geringer Radverkehrsstärke darf vom Regelmaß des Einrichtungsradweges abgewichen werden. Gleiches gilt für den Sicherheitstrennstreifen, wenn Längsparkstände und feste Einbauten fehlen.



Abb. 5, ADFC | Gemeinsame Geh- und Radweg sind innerorts nur dort vertretbar, wo Netz- und Aufenthaltsfunktion beider Verkehre gering sind. Ausschlusskriterien sind: intensive Geschäftsnutzung, hohe Anzahl schutzbedürftiger Fußgänger, Hauptverbindung des Radverkehrs, zahlreiche untergeordnete Knotenpunkts- und Grundstückszufahren...



Abb. 6, ADFC | Außerorts werden fahrbahnbegleitende Radwege in der Regel einseitig baulich angelegt und für eine Zweirichtungsführung als gemeinsame Geh- und Radwege geplant. In Abhängigkeit von der Stärke und Führung des Fußgängerverkehrs kann vom Regelmaß abgewichen werden.


FGSV, Köln | Das zentrale Regelwerk für die Gestaltung von Radverkehrsanlagen in Deutschland liegt in aktueller Form vor. Die "Empfehlungen für Radverkehrsanlagen" (ERA 2010) lösen damit nach 15 Jahren die Vorgängerversion ab. Vor mehr als 350 Teilnehmern stellte die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) jetzt in einem Kolloquium die wesentlichen Regelungen und Neuerungen vor.

Mit den neuen ERA der FGSV wird der Stand der Technik zum Radverkehr beschrieben und nach einem längeren Diskussionsprozess an die sog. "Fahrradnovelle" der StVO (1997) angepasst.

Wesentliche Änderungen

Die wesentliche Änderung zur früheren ERA von 1995 sind die präzisierten Möglichkeiten der Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn statt auf einem Hochbordradweg, vor allem ein Prüfverfahren, welche Führungsform die geeignetste ist. Radverkehrsnetzplanung, Radverkehrsanlagen außerorts sowie die Grundzüge des Fahrradparkens und der Fahrradwegweisung sind als weitere Elemente der Radverkehrsförderung in den ERA beschrieben.

Die ERA bilden die Grundlage für Planung, Entwurf und Betrieb von Radverkehrsanlagen. Sie gelten für den Neubau und die wesentliche Änderung von Straßen. Für bestehende Straßen wird ihre Anwendung empfohlen. Die ERA gelten für Radverkehrsverbindungen der Verbindungsfunktionsstufen II bis V gemäß den RIN (Richtlinien für integrierte Netzgestaltung) innerhalb und außerhalb bebauter Gebiete.

Die ERA ergänzen und vertiefen die maßgeblichen planerischen und entwurfstechnischen Richtlinien, insbesondere die

  • Richtlinien für integrierte Netzgestaltung (RIN) (FGSV 121),
  • Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt) (FGSV 200),
  • Richtlinien für die Anlage von Landstraßen (RAL) (FGSV 201) und die – Richtlinien für Lichtsignalanlagen (RiLSA) (FGSV 321)

um die konkreten Details zum Radverkehr. Sie ersetzen gleichzeitig die „Hinweise zur Beschilderung von Radverkehrsanlagen nach der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung" (FGSV 241) aus dem Jahr 1998.

Die ERA behandeln folgende Themen:

  • Radverkehrskonzept
  • Entwurfsgrundlagen
  • Radverkehrsführung an innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen
  • Radverkehrsführung an Knotenpunkten
  • Querungsanlagen
  • Radverkehr in Erschließungsstraßen
  • Einbahnstraßen mit Radverkehr in Gegenrichtung
  • Radverkehr in Bereichen des Fußgängerverkehrs
  • Radverkehr an Landstraßen
  • Selbstständig geführte Radwege
  • Bau und Betrieb von Radverkehrsanlagen
  • Wirkungskontrolle und Qualitätssicherung.

Rechtliche Relevanz

Die ERA geben straßenverkehrsrechtliche Sachverhalte wieder, damit diese in die Entwicklung und Bewertung planerischer, entwurfstechnischer und verkehrstechischer Lösungen frühzeitig einbezogen werden können. Den straßenverkehrsrechtlichen Rahmen hierfür bilden die Straßenverkehrsordnung (StVO) sowie die Allgemeinen Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV-StVO) in den jeweils gültigen Fassungen. In die ERA sind auch die Neuerungen der 46. StVO-Novelle vom 1.9.2009 eingeflossen.

In der sich dem Kolloquium anschließenden Diskussion sagte Dankmar Alrutz, einer der Mitautoren der ERA, dass Neuplanungen immer nach ERA erfolgen müssen, weil sie den technischen Stand darstellen. Die VwV-StVO würden nur Mindestkriterien nennen, die für die Benutzungspflicht vorliegen müssen, wenn zusätzlich die Notwendigkeit (§ 45 Abs. 9 Satz 2 StVO) nachgewiesen wurde und genügend Platz für Fußgänger verbleibt. Die VwV-StVO sind keine Baurichtlinien.


Weitere Informationen

Links:
Das nordrhein-westfälische Landesverkehrsministerium hat am 10. Juni 2011 per Erlass die ERA 2010 verbindlich für den Bau von Radwegen eingeführt. Lesen Sie dazu auch: www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-muenster/radverkehr/radverkehrsnachrichten/article/12595/verkehrsraeume-des-radverkehrs.html
 
Die ERA - Empfehlungen für Radverkehrsanlagen [FGSV-Nr. 284 / 96 Seiten / A 4 / ISBN 978-3-941790-63-6] können beim FGSV-Verlag zum Preis von 45,- Euro zzgl. Versandkosten erworben werden:
www.fgsv-verlag.de

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