ADFC-Exkursionen zu geplanten Velorouten – Everswinkel, Ascheberg, Altenberge und Senden (2. Juli)

08.06.20
Kategorie: Verkehrsplanung, Verkehrspolitik, Mobilität

Die legendäre Alverskirchener Straße an der Veloroute 9 nach Everswinkel



Variante der Veloroute 7 nach Aschberg am Pilgerpfad (Vennheide, Münster)



An der Veloroute 9 auf der Thierstraße – Blick auf Amelsbüren



Hier wird es eng: Ortseinfahrt Amelsbüren; auch die Ortsdurchfahrt wird eine Herausforderung



Kreisgrenze Münster-Coesfeld – wie geht es weiter in der Stadtregion?



Fahrradwegebau an der Veloroute 9 bei Davensberg (COE)



Engstelle Angelmodde (Veloroute 9) – eine Variante, die eher nicht realisiert werden dürfte



Ortseinfahrt Alverskirchen (COE) – eine mögliche Variante für Pendlerïnnen nach Everswinkel (Veloroute 9)



Kreisgrenze Münster- Warendorf bei Telgte. Unterschiedliche Nutzungsansprüche auf der Veloroute 11



Velorouten-Exkursion nach Telgte mit GAL/ Die Grünen Münster (schon im Sommer 2018)



Velorouten-Exkursion mit dem Umweltforum Münster, Wersebrücke (Sommer 2018)



Im Ortskern Wolbeck könnte es eng werden – hier: Hofstraße



Eher unwahrscheinliche Variante der Veloroute 9. Eschstraße kreuzt L 585



Ein Schmankerl im Sternbusch: Illustration einer Variantenidee zur Veloroute 7 (Grafik: Stadt Münster)


Vor fast vier Jahren, im September 2016, verabschiedete der Rat der Stadt Münster das Konzept „Implementierung stadtregionaler Velorouten in der Stadtregion Münster“. Trotz #Klimanotstand, Enkeltauglichkeit und der sogenannten Pendlerproblematik (aka Verkehrskollaps) ist bislang keines dieser Implantate in die Radverkehrsinfrastruktur zu erkennen. Inzwischen haben die Planungen – im Fachjargon: Vorplanung und Variantenuntersuchung – aber deutlich Rückenwind bekommen. Indes: in Corona-Zeiten wurde der begleitende Beteiligungsprozess – für Politik, Fachöffentlichkeit und Stadtgesellschaft – faktisch ausgesetzt. Seitens der Verwaltung werden selbständige Trassenbefahrungen angeregt. Der ADFC hat solche Exkursionen bereits vor einiger Zeit angeboten – beispielsweise für die Velorouten nach Telgte und Nottuln. Als nächstes stehen die Verbindungen nach Everswinkel und Ascheberg als locker-kommunikative Feierabendtour – mit corona-bedingten Hygiene- und Abstandsregeln – auf dem Programm. Weitere Strecken folgen.

 

Trotz einiger Workshops und Abstimmungstermine sowie zahlreicher öffentlicher Bekundungen kamen die Radvorrangrouten – die in Münster Velorouten genannt werden – kaum voran. Eingeweihten ist die Lightversion dieser Radschnellwegeverbindung als grüne und blaue Linien auf der stadtregionalen Landkarte (PDF) bekannt. Ohne die Ertüchtigung der Kanalseitenwege am Dortmund-Ems-Kanal mitgezählt, soll es in Zukunft vierzehn alltagstaugliche Radrouten geben.

 „Quasi als Anti-Stau-Programm wurden alltagstaugliche Routen von der Promenade in die Außenstadtteile und weiterführend in die Umlandgemeinden der Stadtregion Münster entwickelt,“ schreibt die Verwaltung über diese Velorouten. Das also ist der Anspruch.

Wie die – zumindest bei Planungsbüros gefürchteten – Bürgerversammlungen zeigen, ist der Verlauf einer Veloroute hoch politisch und höchst emotional. Das erwies sich exemplarisch bei einer Bürgerversammlung im Handorfer Huus im letzten Sommer. Denn, auch wenn die Velotrassen weitestgehend – und kostensparend – im Bestand geplant und realisiert werden, bergen sie angesichts der unterschiedlichen Anspruchsgruppen erheblichen Sprengstoff. Die sogenannten Stakeholder – Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer, Busfahrer, Anlieger, Schulkinder, Senioren, Fahrradaktivisten, Naturschützer und andere (m/w/d immer mitgemeint) – haben unterschiedliche Ansprüche und Befürchtungen. Auch die Interessen der politischen Akteure divergieren durchaus – je nach Klientel und bisweilen sogar abhängig vom Wohnort. So sind Mandatsträgerïnnen in den Bezirksvertretungen durchaus mit den Ratsvertreterïnnen, auch der eigenen Partei, nicht immer einer Meinung. Beispielsweise an der Veloroute nach Telgte oder Nottuln zu beobachten.

Jenseits von fachlichen Aspekten – Stichworte sind: Inter-/Multimodalität, Flächengerechtigkeit, Landschaftsverbrauch, Naturschutz, Möblierung, Beschilderung, Einschränkungen für zu Fuß gehende oder Freizeitaktivitäten u.v.a. – gibt es konkrete Anforderungen an die zukünftigen Velorouten, die – um das noch mal zu betonen – so attraktiv sein müssen, dass Pendler oder Pendlerin mit und ohne Pedelec zumindest an manchen Tagen vom Auto auf das Zweirad umsteigen. (Der „angestrebte“ Anteil liegt bei geschätzt 10 Prozent.)     

Um das mit Blick auf die Velorouten nach Everswinkel und Ascheberg – leider nur mit Zahlen von 2014 (Quelle: Stadt Münster, siehe Anlage F) – konkret zu machen:

  • Von Everswinkel pendeln täglich 3.330 Menschen aus beruflichen Gründen aus; die Hälfte davon fährt (mit welchem Verkehrsmittel ist nicht spezifiziert) nach Münster. Die knapp 19 km lange, künftige Veloroute sollten also regelmäßig rund 170 Everswinklerïnnen mit dem Rad oder Pedelec zurücklegen. (Das S-Pedelec ist für einige aber sicherlich eine Option. Es gehört allerdings nicht auf die Veloroute, sondern auf den Kfz-Fahrstreifen.)
  • Aus Ascheberg brechen 5.430 täglich pendelnde Berufstätige auf; davon etwas mehr als ein Drittel nach Münster. Die rund 18 km lange Veloroute – vorbei an Davensberg und über Amelsbüren – sollten also rund 200 Menschen nutzen.

Bewertungskriterien

Für die Qualität und Akzeptanz von Velorouten sind zahlreiche Bewertungskriterien denkbar. Die vom Amt für Mobilität und Tiefbau jeweils beauftragten Planungsbüros wenden eine Bewertungsmatrix mit vier Kriterien (verfeinert um sechs Unterkriterien) an. Über die Auswahl und vor allem das Verhältnis der Kriterien untereinander – für die Gesamtbewertung der jeweiligen Velorouten-Variante gehen alle gleichgewichtet in den Entscheidungsprozess ein – lässt sich, wie immer, trefflich streiten, was hier nicht weiter vertieft werden soll.

Die vorgegebenen Kriterien im Einzelnen:

  • Nutzungspotenzial
  • Reisezeit (aufgeteilt in Direktheit und Halte); hier fehlen konkrete Minutenangaben
  • Sicherheit (aufgeteilt in soziale und Verkehrssicherheit)
  • Realisierbarkeit (aufgeteilt in Umsetzbarkeit und Kostenaufwand).

Wie werden diese Aspekte in einem künftigen Beitrag nochmals aufgreifen. Einfach und anschaulich lässt sich das Kriterienbündel im Bericht zur Veloroute 7 nach Ascheberg (siehe hierzu die Planungsunterlagen) nachvollziehen.

Beteiligung von Politik, Fachverbänden und Stadtgesellschaft in Corona-Zeiten

Die bisher vorgesehene Art der Beteiligung der Politik (in Form einer gemeinsamen Befahrung der Trassenvarianten) und der Bürgerschaft (Anliegerversammlung) ist aufgrund der aktuellen CoronaSituation derzeit und auch in naher Zukunft nicht möglich.

Die Verwaltung empfiehlt allen interessierten Personen selbstständige Trassenbefahrungen, um sich einen besseren Eindruck der jeweiligen Örtlichkeiten machen zu können. Für Rückfragen zum Routenverlauf, zu ersten Analyseergebnissen und Planungsideen stehen (..) Mitarbeiter des Amtes für Mobilität gerne zur Verfügung.

ADFC-Exkursionen auf Velorouten

Der ADFC in der Stadtregion Münster bietet in den kommenden Wochen mehrere Termine zu diesen sogenannten Trassenbefahrungen an.

Tour 5: ADFC-Exkursion zur geplanten Veloroute Münster – Senden

Am 2. Juli um 17 h startet an der Aasee-Mensa (Bismarckallee) eine weitere Exkursion  - zur Veloroute No. 5 über Albachten nach Senden. Es wird unter Beachtung der Corona-Auflagen gefahren. Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt. Nur nach vorheriger Anmeldung unter termine(..at..)adfc-ms.de 

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Abgeschlossen –  Tour 1+2: ADFC-Exkursion über die geplanten Veloroute Münster - Everswinkel

Inzwischen liegen die Variantenuntersuchungen der geplanten stadtregionalen Veloroute No. 9 nach Everswinkel vor. Ideen und Anregungen an die Verwaltung sind noch bis zum 15. Juni möglich. Der ADFC bietet deshalb eine rund 30 km lange Tour mit Erläuterungen an. Treffpunkt ist am Donnerstag, 11. Juni (Fronleichnam) um 16 h vor dem Stadtmuseum/ Salzstraße. Es wird unter strenger Beachtung der Corona-Auflagen gefahren. Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt. Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung unter termine(..at..)adfc-ms.de.

Abgeschlossen – Tour 3: ADFC-Exkursion zur geplanten Veloroute Münster – Ascheberg

Inzwischen liegen die ersten Pläne der stadtregionalen Veloroute No. 7 nach Ascheberg vor. Ideen und Anregungen an die Verwaltung sind noch bis zum 21. Juni möglich. Der ADFC bietet deshalb eine rund 30 km lange Feierabendtour mit ergänzenden Informationen an. Treffpunkt ist am Donnerstag, 18. Juni um 17 h an der Bismarckallee vor der Mensa. Es wird unter strenger Beachtung der Corona-Auflagen gefahren. Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt. Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung unter termine(..at..)adfc-ms.de.

Abgeschlossen – Tour 3: ADFC-Exkursion zur geplanten Veloroute Münster – Ascheberg

Inzwischen liegen die ersten Pläne der stadtregionalen Veloroute No. 7 nach Ascheberg vor. Ideen und Anregungen an die Verwaltung sind noch bis zum 21. Juni möglich. Der ADFC bietet deshalb eine rund 30 km lange Feierabendtour mit ergänzenden Informationen an. Treffpunkt ist am Donnerstag, 18. Juni um 17 h an der Bismarckallee vor der Mensa. Es wird unter strenger Beachtung der Corona-Auflagen gefahren. Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt. Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung unter termine(..at..)adfc-ms.de.

Abgeschlossen – Tour 4: ADFC-Exkursion zur geplanten Veloroute Münster – Altenberge

Die Pläne der stadtregionalen Veloroute No. 2 über Nienberge nach Altenberge vor. Der Unterschied zwischen Freizeit- und Alltagsradfahren wird auf dieser Strecke besonders deutlich.Der ADFC bietet eine rund 35 km lange, leicht hügelige Feierabendtour mit ergänzenden Informationen an. Treffpunkt ist am Donnerstag, 25. Juni um 17 h an der Promenade/ Neutor vor der Trümmerlok

Weitere Exkursionen in Planung:

  • Veloroute 4: nach Nottuln über Roxel
  • Veloroute 11: nach Telgte über Handorf
  • Dortmund-Ems-Kanal-Route

Weiterführende Links

Text und Bilder: Andreas K. Bittner 


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