Aktive Mobilität, Pop-up Bike Lanes und Unterstützung des lokalen Fahrradhandels

10.04.20
Kategorie: Mobilität, Presse

ADFC-Plakat: Trotz und wegen Corona



Stiller Fahrradweg im Naturschutzwald Amelsbüren



Radtour fernab des Trubels: Angelteich in der Venne bei Münster (bei Münster)



Ruhige Radstrecke: Ein Biber am Dortmund-Ems-Kanal (Fotos: Andreas K. Bittner)



ADFC-Plakat: 'MehrPlatzFürMenschen


„Bleibt zuhause“ – so lautet auch an den Osterfeiertagen die Devise. Der Fahrradclub – ob im Münsterland, in NRW oder auch der Bundesverband in Berlin – fordert die Politik, ihre Mitglieder und alle Bürgerïnnen auf, im Rahmen dieser Vorgabe verantwortungsvoll zu handeln – durch mehr Platz auf den Straßen für aktive Mobilität, Verzicht auf Radtouren zu belebten Zielen und Stärkung des lokalen Gewerbes.

 

Die Frühlingssonne lacht; die Menschen wollen an die frische Luft. In Parks und auf Radwegen ist es gefährlich eng – #AbstandHalten kaum möglich. Die Straßen sind hingegen ziemlich leer. „Zeit, Platz zu schaffen“, kommentiert Hannes Leitlein auf Zeit Online – und stellt das Naheliegende fest:

„Dutzende Radlerinnen und Radler drängten sich auf den viel zu schmalen und holprigen Radwegen, die Massen schoben sich über die Gehwege – während gleich daneben feinster Asphalt unberührt blieb. Platz, den die Städte jetzt umwidmen sollten.“

Und ADFC-Bundesgeschäftsführer Stork ergänzt:

Das Fahrrad ist für viele unvermeidliche Wege die beste Wahl. Damit auch Kinder und alte Menschen sicher von A nach B gelangen, sollten Kommunen Fahrspuren großer Hauptverkehrs-straßen als temporäre Radstreifen ausweisen, wo bestehende Radwege schmal sind. In Wohngebieten und dort, wo sich viele Menschen drängen, können Behörden ganze Straßen für den Fußverkehr öffnen.“

Immer mehr Städte weltweit schaffen jetzt temporäre geschützte Radfahrstreifen – kurz: Popup-Bike Lane –, um Menschen, die auf das Fahrrad angewiesen sind, sichere Fortbewegung zu ermöglichen. Die kolumbianische Metropole Bogotá hat es vorgemacht, Berlin schafft ebenfalls immer mehr temporäre Radspuren. „Berlin hat gezeigt, dass Popup-Bikelanes quasi über Nacht möglich sind. Das kann jede Stadt in Deutschland!“, so Stork. Inzwischen hat Berlin sogar „Regelpläne zur temporären Einrichtung und Erweiterung von Radverkehrsanlagen“ (PDF) vorgestellt.

Nordamerikanische Großstädte haben längst damit begonnen, ganze Straßenzüge für Fußgänger zu öffnen, wie in Winnipeg oder Calgary. Auch Wien richtet für dieses Wochenende temporäre Begegnungszonen für Fußgehende ein. Dieses Modell können auch deutsche Städte übernehmen – durch die Schaffung verkehrsberuhigter Bereiche, von Spielstraßen oder in Form von Verkehrsversuchen, wenn nach Ostern die Novelle der Straßenverkehrsordnung in Kraft tritt. In Münster gitterte man indes lieber Bereiche am Aasee ab, statt nebenan die sieben(!)spurige, herabgestufte Bundesstraße 54 zumindest partiell und zeitweise dem Autoverkehr zu nehmen.

Radfahren erlaubt

Trotz und wegen Corona ist es sinnvoll aktive Mobilität zu stärken. Der ADFC fordert, die Politik möge „das Fahrrad als Rückgrat des resilienten Verkehrssystems ernst nehmen.“ Fahrradfahren stärkt sicherlich die Widerstandskraft – körperlich wie psychisch. Aber auch Radfahrende sind in Zeiten von Corona in der Pflicht: Sie müssen besondere Rücksicht nehmen, Abstand halten und auf Ausflüge zu belebten Zielen verzichten. Gruppentouren verbieten sich von selbst – aber es gibt im Münsterland überall Strecken auf denen kaum Menschen unterwegs sind.

Fahrradhandel ist Garant für individuelle Nahmobilität

Die Corona-Krise verlangt von der Bevölkerung eine erhebliche Anpassung ihres Mobilitäts- und Freizeitverhaltens. Schon jetzt ist messbar, dass individuelle Verkehrsmittel vermehrt genutzt werden. Fahrradfahren spielt dabei eine Schlüsselrolle und bietet gleich auf mehreren Ebenen Lösungen:

  • Es sichert Nahmobilität mit bestmöglichem Schutz vor Ansteckung.
  • Es ermöglicht Freizeitaktivität an der frischen Luft und hilft gegen den „Lagerkoller", ohne sich zu nahe zu kommen.
  • Es stärkt Herz-Kreislaufsystem und Lunge und ist gut für das Immunsystem.

Grundsätzlich können sich Fahrten mit dem Fahrrad auch positiv auf die Psyche auswirken. Wer aufgrund verringerter sozialer Kontakte bereits unter einer Stimmungseintrübung leidet, kann mit einer erfrischenden Radtour positive Eindrücke sammeln..

Um die Versorgung der Menschen mit Fahrrädern, Ersatzteilen und Zubehör in lokalen Geschäften vor Ort zu ermöglichen, schlagen die Verbände – darunter der ADFC – der Fahrradbranche  – darunter der ADFC – vor, den Verkauf in den Ladenlokalen unter Einhaltung der Hygienevorschriften und Abstandsregeln bundesweit zu gestatten. Dazu wurde von den Verbänden ein strenger Maßnahmenkatalog vorgelegt, der sich nach den Vorgaben des Robert Koch-Instituts (RKI) richtet. Zu Bedingungen für den Fahrradverkauf und Schutzmaßnahmen siehe die gemeinsame Pressemitteilung der Verbände der Fahrradbranche. (PDF)

PS. Wer in Münster wohnt und die Anschaffung eines Lastenrades plant, könnte in den nächsten Tagen schon mit der Online-recherche beginnen – um bestens vorbereitet von der (zweiten) Lastenrad-Förderprämie der Stadt Münster zu profitieren.

 

 

 

 

 


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