Auch eine Frage der Technik

25.07.02
Kategorie: Münster, Seminar

ADFC bietet Radfahrschulung für Erwachsene an - Angebot im weiten Umkreis einzigartig MZ 25.7.2002, MÜNSTER. In Münster wohnen, aber nicht Fahrrad fahren können? Was vielen in der Fahrradhauptstadt Deutschlands absolut undenkbar erscheint, ist gar nicht so selten.

Denn wer es als Kind verpasst oder über Jahre verlernt hat, Fahrrad zu fahren, kann das als Erwachsener nicht einfach nachholen, traut sich entweder gar nicht mehr aufs Rad oder quält sich mehr schlecht als recht auf der Leeze herum. So wie Inge (68). Sie hatte als Kind zwar auf dem Rad gesessen, war dann aber weggezogen und hatte den Drahtesel jahrelang nicht mehr benutzt. Vor einiger Zeit kam sie jedoch nach Münster zurück, kaufte sich ein neues Rad, baute damit gleich zwei Stürze und war drauf und dran, das Fahrradfahren wieder aufzugeben.

Inzwischen fährt sie sicher ihre Kurven, Auf- und Absteigen ist kein Problem mehr, genausowenig wie bremsen. Geholfen hat ihr dabei eine Radfahrschulung für Erwachsene, die der ADFC in Münster in regelmäßigen Abständen anbietet. Und das ist im weiten Umkreis einzigartig.

Geleitet wird die Schulung vom Diplom-Pädagogen Karl-Dieter Hartwich. Und der weiß, dass Fahrradfahren auch eine Frage der richtigen Technik ist. Und das passende Fahrrad benötigt man auch. Der Drahtesel von Inge beispielsweise war nämlich viel zu groß für sie. Das wurde in der ersten Unterrichtsstunde festgestellt.

Eine Woche später ging es dann zum ersten Mal aufs Fahrrad. Noch ohne Pedalen und mit beiden Beinen fest auf dem Boden versuchten die Teilnehmer, mit dem Fahrrad vertraut zu werden, in dem sie die Leeze seitlich hin und her schaukelten, Der leere Schulhof des Ratsgymnasiums stand dafür zur Verfügung.

Wer Probleme mit dem Gleichgewicht hatte, für den hatte Hartwich eine besondere Übung auf Lager: Roller fahren. "Das hat mir erst gar nicht gepasst, mit 69 Jahren noch Roller zu fahren", erzählt Margarethe, "aber dann hat es mir Mut gegeben".

Nächster Schritt war das "Laufen" auf dem Fahrrad: auf dem Rad sitzen und sich mit den Beinen abstoßen. Dann wurde Bremsen geübt.

Erst nach mehreren Übungsstunden wurden die Pedalen angeschraubt. Wer dann vor dem Anfahren die eine Pedale in die 12-Uhr-Stellung brachte, hatte maximalen Antritt und genug Zeit, die zweite Pedale zu finden, wenn sich das Fahrrad erstmal in Bewegung gesetzt hat: Fahrradfahren ist eben auch eine Frage der richtigen Technik.

Als das alles klappte, ging es vom "Schonraum" in den Verkehrsraum: auf den alten Hörster Friedhof. Eine kleine Ausfahrt war dann der Abschluss des neunteiligen Kurses.

Am Ende des Unterrichts hat Inge jetzt ihr großes Rad gegen ein kleineres getauscht, auf dem sie sich inzwischen sicher und wohl fühlt. Franziska (60) bricht nicht mehr vor jeder roter Ampel in Schweiß aus, weil sie inzwischen schnell genug vom Fahrrad kommt, und Else (73) traut sich inzwischen Fahrradtouren mit den Nachbarinnen zu. "Jetzt habe ich es im Griff", freut sie sich.

Münstersche Zeitung (Mit freundlicher Genehmigung)
Text: Angelika von Dewitz-Krebs

Angelika von Dewitz-Kreb

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