Denkmalbehörde bremst Radler aus, Verwaltung und ADFC auf dem Rad im Dialog

21.08.12
Kategorie: Münster, Verkehrsplanung, Verkehrspolitik, Verkehr, Presse

Vertreter des ADFC und der Verwaltung während der Fahrradbereisung an der Ecke Promenade/Gerichtsstraße. Foto 17.07.2012, Ernst Metzler


Am 17. Juli nahm die Verwaltung mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Münster / Münsterland e.V. (ADFC) einige Problembereiche in der Innenstadt im Fahrradsattel vor Ort in Augenschein. Mit von der Partie waren Michel Milde, Stephan Böhme, Manfred Runge, Isabell Schultz (Verkehrsplanung) sowie Werner Schulik von der Straßenverkehrsbehörde. Peter Wolter, Florian Heskamp und Ernst Metzler vertraten den ADFC.

Spiegelturm Ecke Rosenstraße

Unmittelbar neben der Überwasserkirche Fragen sich viele Radler, warum angesichts des breiten Fußweges nicht auch Platz für einen Radweg wäre. Antwort: Hier handelt es sich um eine 30 KM-Zone, in der ist grundsätzlich keine Separierung für Radler vorzunehmen. Beim Ausbau der Rosenstraße will man den Einbau von geschnittenen Pflaster wie am Beispiel Asche prüfen.

Verlängerung der Überwasserstraße auf dem Schlossplatz / Querung der Promenade zu den Uniinstituten

Warum haben die wenigen Autos, an dieser Stelle vor der Promenade Vorfahrt? Viele Radler glauben aufgrund der Alleestruktur, hier Vorfahrt zu haben. Antwort: Verwaltungsintern hat sich die Denkmalbehörde mit ihrer Meinung durchgesetzt, um die Einheit von Bau und Betrieb herzustellen, müsste die Pflasterung im Zuge der Promenade durch Asphalt ersetzt werden. Die ADFC-Vertreter machten deutlich, dass das nicht haltbar ist, denn der Mensch und vor allem die Gesundheit der Menschen, geht im Verständnis der Bürger immer noch vor. Asphalt aufzubringen und die Vorfahrt zu ändern, wären kurzfristig umsetzbar. Der ADFC wird daher auf eine Änderung beharren.

Zur Auftragung einer unterbrochenen Mittellinie auf die Promenade, um den Straßencharakter hervorzuheben und damit die Unfälle Radfahrer/Fußgänger und Radfahrer/Radfahrer zu reduzieren gab es auch keine einheitlich Meinung. Gegenargument der Verwaltungsvertreter war vordringlich, dass der separierte Fußweg nicht durchgängig vorhanden ist. Der ADFC möchte auch hier weiterhin dicke Bretter bohren und ggf. auf einem Teilabschnitt einen Versuch einrichten lassen, um daraus Schlüsse ziehen zu können. Dies um so mehr, weil auch bei Regen und Dunkelheit die Trennung zu mehr Sicherheit aus Sicht des ADFC führen würde.

Kreuzungssituation an der Gerichtsstraße/Promenade/Hüfferstraße

Für diesen unübersichtlichen Querungsbereich gibt es eine Planung, die den geradlinigen Ausbau der Promenade und die Anlage eines zusätzlichen Fußweges vorsieht. Es bestand Einvernehmen, den mittig stehenden Masten zu entfernen und die Beschilderung links und rechts außerhalb der Fahrbahn vorzunehmen. Der rot gepflasterte Radweg von der Hüfferstraße kommend soll in Richtung Promenade verschwenkt werden.

Grundsatz: Generell soll künftig bei Pfosten bzw. (Ampel-)masten, die im Lichtraum von Radwegen stehen eine Markierung mit Reflexfolie erfolgen, wenn sie nicht gleich ganz neben diese Wege versetzt werden können

Ausbau der Hüfferstraße

Die Ausbauplanung sieht hier im Entwurf auf einer Basis von über 1000 Kfz und regem Bus- und Radverkehr eine neue breitere Fahrbahn von 8,5 m mit 1,5 m breiten Fahrrad-Schutzstreifen (unterbrochene Linie) vor. Bis zum Ausbau wurde vom ADFC eine Rücknahme der Radwegebenutzungspflicht gefordert. Die städtischen Vertreter sehen dies bei dem Busverkehr als sehr problematisch an. Herr Schulik will aber nochmals eine Stellungnahme der Stadtwerke und Polizei dazu einholen. Der ADFC merkte an, dass durch den vorgesehenen Ausbau die Busse nicht bei Gegenverkehr aufgrund fehlender Sicherheitsabstände Radfahrer überholen könnten. Des Weiteren ist an der signalisierten Kreuzung Himmelreichallee/Hüfferstr., Abbiegen für Radler von der Hüfferstr. in die Himmelreichallee derzeit nicht geregelt und daher kein legales Angebot vorhanden.

Ausbau Ecke Adenauerallee / Weseler Straße

Die Verlagerung der Fahrradfahrer von der Fahrbahn auf den Bordsteinradweg hat sich bewährt. Herr Heskamp kritisiert, dass der Aufstellbereich hätte weiter ausgebaut müssen (Vorverlegung der Haltelinien und/oder Verbreiterung des Radweges im Wartebereich), damit weniger Rückstau bei den geradeaus fahrenden Radlern mit entsprechenden Behinderungen für Rechtsabbieger in Spitzenzeiten entstehen (gleiche Situation an Adenauerallee/Am Stadtgraben). Bei zukünftigen Entwurfsplanungen sollen solche Optimierungsmöglichkeiten gleich geprüft werden, da dann meist kostenneutral umsetzbar. Herr Metzler zeigt die Gefahrensituation auf, die bei zwei Kfz-Abbiegespuren aus der Äegidiistraße Richtung Weseler Straße zwischen Radlern und Kfz entstehen, die auf den Bordsteinradweg Richtung Mensa weiterfahren möchten. Er schlägt vor die rechte Abbiegespur aus der Aegiidistraße nur noch für den gerdeaudeausfahrenden und den rechtsabbiegenden Kfz-Verkehr frei zu geben. Verwaltung: Unfälle mit dieser Regelung sind bisher nicht bekannt geworden. Herr Schulik will dennoch Polizei und Stadtwerke zu dem Vorschlag um Stellungnahme bitten.

Aegidiistraße / Promenade

Eine hier neu aufgestellte Leuchte ist vom Standort nicht optimal bzw. verkehrsgefährdend (Kurvengeometrie abbiegender Radler) aufgestellt. Herr Schulik und Herr Böhme wollen für Abhilfe sorgen. Herr Wolter verweist auf die problematische Abbiegesituation für Radler von der Weseler Straße in Richtung Kanonengraben und denen, die vom Kanonengraben in Richtung Aegidiistraße fahren. Der Radius ist durch das vorhandene Beet so groß, dass die Radler das Beet ständig überfahren. Alle waren sich einig, dass hier eine Pflasterung des Bereiches von 1 – 1,5 m im Bogen die Situation entschärfen würde. Das Tiefbauamt unter 492-6666, Frau Schilinsky, hat die Situation am 18.7.2012 telef. aufgenommen und will Bescheid geben.

Hammer Straße und die Radwegebenutzungspflicht

Verwaltung: Bei der bestehenden Verkehrsbelastung gibt es keinen Königsweg. Man müsste eine Kfz-Parkreihe aufgeben, was von der Kaufmannschaft nicht hingenommen würde. Eine Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht ist nach Verwaltungsansicht hier zu gefährlich. Wie bereits vom Ludgerikreisel bis zur Josefskirche geschehen, sollte aus ADFC-Sicht auch der weitere Radweg zu Lasten der Straße verbreitert werden, ohne dafür Bäume zu fällen. Herr Heskamp macht darauf aufmerksam, dass Radler aus Richtung Hermannstr. in Richtung Dahlweg oft die Fußgänger-Lichtzeichenanlage an der Einmündung der Hermannstr. in die Hammer Str. benutzen, um dann Richtung Dahlweg in falscher Richtung auf dem Gehweg weiterzufahren.Dieses Problem könnte nur durch eine weitere Lichtzeichenanlage in Höhe der Einmündung des Dahlweges in die Hammer Str. gelöst werden.

Im Abschlussgespräch

erläuterten die Verwaltungsvertreter, dass die Radwegebenutzungspflicht in 16-17 30 Km-Zonen (überwiegend im Außenbereich) bis heute zurückgenommen wurde. Weitere werden folgen! Eine generelle Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht außerhalb der 30 Km-Zonen wird es nicht geben. Es kann nur Einzelfalllösungen geben, da die Verhältnisse vor Ort sehr verschieden sind.

Der Antrag zur Förderung einer "Machbarkeitsstudie zur Umsetzung von Radschnellwegen/Velorouten im Stadtgebiet Münster unter Einbeziehung der Stadtregion" liegt dem BMV in Berlin seit Ende März vor. Sobald eine Nachricht vorliegt, informiert Herr Milde den ADFC darüber.

Die Beteiligten waren abschließend einheitlich der Meinung, diesen fachlich konstruktiven Dialog mindestens zweimal im Jahr fortzuführen, um so ein Mehr an Verkehrssicherheit für den Radverkehr in Münster zu erreichen!

Peter Wolter
1. Vorsitzender des ADFC Münster / Münsterland e.V.

Peter Wolter

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