Frauen machen Mobil(–ität)

06.11.20
Kategorie: Münster, Mobilität, Seminar

Mehr Platz für's Rad und für mehr Frauen im ADFC (Bild: ADFC / deckbar)



Vielfalt – geht sogar mit Helm (Bild: ADFC / deckbar)



Wegbar – Inklusion im ADFC Münsterland (Bild: Martina Kocik)



"Haare im Wind" – Mobilitätstour mit dem Deutschen Roten Kreuz (Bild: Thorsten Knölke)



Alle auf Leeze – Inklusionstour rund um die Promenade in Münster (Bild: ADFC Münsterland)



Inklusive ADFC Radtour: "Glut, Feuer, Eis" – mit Westfalenfleiß entlang der Werse (Foto: André Menke)



Neue (Bilder)Sprache im Fahrradclub (Illustration: ADFC)



Fahrraddemo "Einfach Sicher Fahrradfahren" in Magdeburg am 20. September 2020 (Bild: ADFC Magdeburg)



Kidical Mass & more – mehr Sicherheit im Straßenverkehr (Bild: ADFC / deckbar)



Online-Kongress "Frauen machen Mobil (-ität) (Grafik: BAG: Die Grünen/ Bündnis90)



Tourstart im Münsterland: "Von Frauen – für Frauen" (Bild: Andreas K. Bittner)



Unterstützerinnen für mehr Vielfalt (Bild: Andreas K. Bittner)



Konferenz vor Covid: "Mehr Frauen im ADFC" (Bild: ADFC / deckbar)



Ohne Worte (Symbolbild: Martinas Kocik)


Seit März 2017 gibt es im ADFC NRW ein zunehmend aktives Frauennetzwerk. Und nicht nur Berlin oder Essen hat längst eigene Tour-Formate für Radfahrerinnen; auch im Münsterland gab es diesen Herbst zwei stark nachgefragte Angebote „Von Frauen – für Frauen“, die nun erstmal von Corona-Auflagen und Allgemeinverfügungen gestoppt wurden. Allerorts und überörtlich stellen sich zahlreiche Aktive im ADFC auf virtuelle Treffen, Workshops und Konferenzen ein. Das digitale „Südwest-Forum“ des ADFC bietet in der kommenden Woche sogar einen Themenschwerpunkt „Gewinn durch Vielfalt“ an.

Der ADFC ist der Verband für alle Menschen, die Fahrrad fahren oder fahren wollen oder das Fahrradfahren fördern wollen. Unabhängig von Alter oder Generation, Herkunft oder Geschlecht, ob sie häufig, regelmäßig oder gelegentlich, sportlich oder entspannt, im Alltag oder in der Freizeit mit dem Fahrrad am Verkehr teilnehmen …“ (Aus der Präambel der ADFC-Satzung, wie von der Bundeshauptversammlung im November 2019 beschlossen.)

Gewinn durch Vielfalt

Ein Blick in Gremien, Ortsgruppen, oder Mitgliedermagazine (zum Beispiel im Münsterland) zeigt schnell, dass die sozio-demografische Struktur im Fahrradclub noch wenig divers und kaum repräsentativ für die moderne, fahrradfahrende Gesellschaft ist. Menschen mit Behinderung oder Migrationsbiografie, aber auch junge Menschen und Familien sind im Kreisverband kaum sichtbar. Für sie gibt es kaum Angebote und die tatsächlichen Möglichkeiten eines ehrenamtlichen Engagements sind ziemlich eingeschränkt. Trotz eines eher höheren Durchschnittsalters im ADFC fehlen auch Angebote für Seniorïnnen, die – vielleicht nicht mit eigener Kraft – immer noch gern mit dem Rad unterwegs wären. (Motto: Haare im Wind“). Zwangsläufig bleibt somit der Blick auf Mobilitätsthemen eingeschränkt. Vielfalt im „toten Winkel“ des Vereinslebens.

Gibt es eine feministische Verkehrspolitik?

In einem Interview anlässlich des Online-Kongress der Bundesarbeitsgemeinschaft Mobilität und Verkehr (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) sagt die Sprecherin Susanne Menge in tageszeitung (vom 30.10.2020)

Frauen sind die häufigeren Nutzerinnen von ÖPNV und Fahrrädern innerhalb der Städte, übrigens auch im ländlichen Raum. Sie sind diejenigen, die immer noch überwiegend Kinder transportieren. Es geht um genau diese Blickwinkel, dass man neben dem Sicherheitsaspekt, der zum Beispiel auch für ältere Menschen und Kinder wichtig ist, entsprechende Wege viel stärker in die Verkehrspolitik einbeziehen muss. Alles das, was wir als integrative Stadtplanung betrachten, beinhaltet auch feministische Verkehrsplanung, sie kommt allen zugute.“

Was genau eine „feministische Mobilitätspolitik“ ist, wird zwar in dem Interview nicht ganz klar, und leider war die Veranstaltung „Frauen machen Mobil(-ität)“ ausgebucht. Interessant wäre in diesem Zusammenhang sicherlich der Beitrag „Mehr Feminismus wagen - klimagerechte Mobilität braucht neue Ansätze!“ von Katja Diehl gewesen. (Katja ist im VCD-Bundesvorstand, sehr aktiv auf Twitter ­ – unter @kkklawitter, knapp 15.000 Followerïnnen –  sowie im Netzwerk Women in mobility.)

Frauen netzwerken

Im Landesverband ADFC NRW hat sich – zum Weltfrauentag im Jahr 2017 – ein Netzwerk gegründet, das deutlich an Profil und Rückenwind gewinnt. Über die Grenzen von NRW hinaus finden inzwischen Veranstaltungen und digitale Stammtische statt. Im Bundesverband koordiniert Johanna Drescher das Projekt „Mehr Frauen für den ADFC“, das einige Arbeitsgruppen umfasst. Für Aktive werden im (passwortgeschützten) Intranet Arbeitshilfen bereitgestellt, wie zum Beispiel: Für deine ADFC-Texte: Gendersensible Sprache“, ADFC-Illustrationen nutzen, um Vielfalt zu zeigen oder für ein Bilderpool für Vielfalt (auf flickr).

Themenschwerpunkt: Gewinn durch Vielfalt

Während im Pandemiejahr 2020 unter anderem die Bundeshauptversammlung (geplant für Bremen) abgesagt wurde, bietet der ADFC in Bund und Land verstärkt Online-Formate an. Im November gibt es ein Digitales Südwestforum mit drei Themenwochen und sehr unterschiedlichen Schwerpunkten. In der 46. Kalenderwoche geht es um den Aspekt Vielfalt und „wie wir durch ein vielfältiges Engagement dem Ziel einer fahrradfreundlichen Gesellschaft näherkommen können. Wir diskutieren darüber, welche Personen der ADFC erreicht und welche Gruppen bisher noch wenig vertreten sind“, heißt es in der Vorankündigung. Die Teilnahme am Südwestforum ist jeweils kostenfrei. Um Spenden wird gebeten. Eine Anmeldung ist erforderlich (über die Links unten).

… und im Münsterland?

Die sogenannte WebApp (Mitgliederverwaltung) liefert ein statistisches Schlaglicht: im gesamten Kreisverband gibt es aktuell 182 registrierte Tourenleiterïnnen, darunter 30 Frauen (16,5%). Von diesen sind 76 auch TourGuide (also zertifiziert nach neuen Qualitätsstandards), darunter allerdings nur 9 Frauen (11,8%). Im aktuellen Radtourenprogramm (von 2020) sind insgesamt 168 Radtourenleiterïnnen gelistet, davon männlich: 147 und weiblich: 21. Das entspricht einem Frauenanteil von 12,5% oder anders ausgedrückt – auf sieben männliche Radtourenleiter kommt eine Frau. (Da Männer deutlich mehr Touren anbieten, ist der Anteil der Touren, die von Männern geführt werden, noch höher.) Im Landesverband ADFC NRW ist die Quote immerhin besser. Hier liegt der Anteil an weiblichen TourGuides bzw. Tourenleitern mit etwa 23% etwa doppelt so hoch wie im Münsterland. Übrigens: Laut Radtourenprogramm gibt es in 15 von 27 Ortsgruppen im Münsterland sogar keine weiblichen Radtourenleiter. In nur drei Ortsgruppen gibt es Sprecherinnen; zugleich werden die weißen Flecken im westlichen Münsterland aus Altersgründen größer. Eine konstruktiver Vorschlag: Aktive gewinnen durch Vielfalt?

Auch wenn es statistisch noch nicht sehr repräsentativ aussieht – zum Radourenleiterïnnentreffen 2020 kam keine Handvoll Frauen in den Mühlenhof – gewinnt die Diskussion um Vielfalt auch im Münsterland an Fahrt – im wahrsten Sinne des Wortes. Das zeigte zuletzt die große Resonanz von zwei Tourenangeboten „Von Frauen – für Frauen“ (mehr dazu hier und hier). Als nächstes soll es – wie bereits in anderen Landesteilen – virtuelle Stammtische geben.

Digitalisierung fördert Vielfalt.

 

 


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