Radtour zu Klimagipfeln in Paris und Brüssel

10.12.20
Kategorie: Aktionen, Kreisverbände, Münster, Verkehr, Presse

Banner



Tourenverlauf



Der Eifelturm auf dem Ronccalliplatz in Köln @Hans-Günter Ockenfels



Heute Grundwasserschutzgebiet, künftig A 49 @Elmar Post



Bonn: Oberbürgermeisterin Katja Dörner begrüßt die Radler @Elmar Post



Martin Frick von der UNO spricht zu den Teilnehmern @Elmar Post



Aussichtspunkt Terra Nova: Blick in die Ödnis @Elmar Post


Von der Cooperide 2015 zur MakeParisReal 2020 : Fight for 1 Point 5 - Eine internationale Gruppe Radfahrender aus Schweden, Dänemark, Niederlande, Deutschland brach im November 2015 von Kopenhagen (Weltklimagipfel 2009) auf, um mit einer Tour durch Dänemark, Nord- und Westdeutschland, Belgien und Frankreich auf dringend notwendige Klima notwendige Entscheidungen in Paris hinzuwirken.

Die Radtour führte von Osnabrück über Kattenvenne, Münster, Bochum, usw., - also auch durch unsere Region. ADFC und VCD waren abschnittsweise dabei und unterstützten mit Fahrradreparatur, Wartungsarbeiten und Unterkunft. (2015 Copenhagen – Paris COP21 | coperide , teilweise Texte dazu auch unter 2017, Toursprache war Englisch)

Beim Klimagipfel 2015 wurde hart gekämpft, gefeilscht und am Ende beschlossen mehr als 190 Staaten das gemeinsame 1,5 Grad Ziel. Sie feierten das ausgiebig.

Im Jahre 2020 „feiern“ wir den fünften Geburtstag – und haben wir was erreicht?

Angesichts des bevorstehenden EU-Gipfels am 10./11.12.2020 in Brüssel wollten die Parents 4 Future Leipzig handeln und entwarfen in kürzester Zeit die Idee und die Umsetzung: Make Paris Real / Fight for 1 Point Five (https://leipzigfuersklima.de/projekte/paris-goes-brussels/). Das Parisabkommen nach Brüssel fahren, damit nun endlich EU-Maßnahmen beschlossen und umgesetzt werden. Wir müssen unsere EU-Verantwortung annehmen. Wir brauchen eine andere Energie, deshalb eine andere Energiepolitik, außerdem eine andere Mobilität mit einer anderen Mobilitätspolitik. Gerade die Mobilität liegt besonders im Argen und wir als Verkehrsverbände sehen uns hier massiv aufgefordert.

Symbolisch wurden zwei Eiffeltürme, Zwei-Meter groß, verpackbar, und ein kleinerer für den Transport auf dem Rücken, hergestellt und seit dem 26.11. von Dresden über Leipzig, die thüringischen Klassiker-Städte, das nördliche Hessen mit dem Danneröder Wald -inzwischen dem ehemaligen Danneröder Wald- bis ins Rheinland und dann Richtung Brüssel transportiert.

In zwei Abschnitten von Bonn über Bornheim, Brühl nach Köln und von Köln über den ehemaligen Hambacher Wald nach Aachen waren der VCD RV und die Fachgruppe Radverkehr des ADFC KV Münsterland dabei. Wir wollten das Münsterland zum Make Paris Real bringen.

Unsere Motivation:

  1. Selbstverständliches Ziel dieser Radtour: Die EU muss endlich Maßnahmen zum Schutz der Menschen vor dem Klimawandel umsetzen. 1980 konnte mensch es wissen, musste es vielleicht noch nicht. 1990 sollte mensch es wissen. 2010 muss mensch es wissen: Der Klimawandel kommt und gefährdet Tiere und Menschen. § 1 STVO: (2) Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

  2. Die Idee, diese Botschaft mit Rad zu transportieren, sprach uns aus persönlicher Leidenschaft an und sie passt zum Ziel.

  3. Zwar nicht so unmittelbar wie 2015 als die Cooperide ja mitten durch das Münsterland ging, wollten wir das Münsterland nun zumindest an diese Radtour heranbringen.

Der Ablauf: Anders als 2015 konnten die Eiffeltürme 2020 Covid-19 geschuldet nicht von einer festen Gruppe von 20-30 Personen nach Brüssel gefahren werden. Die Radfahrenden wechselten und nur die beiden Türme haben die ganzen mehr als 1000 Km zurückgelegt. Wir aus dem Münsterland beschränkten uns auf die beiden rheinländischen NRW-Etappen – verzichteten auf den Danneröder Wald. Für ökologisch ausgerichtete Verkehrsverbände ist die dort anstehende Flächenversiegelung im Jahre 2020 für eine Autobahn zulasten eines lebenden Ökosystems schwer verdauliche Kost. Ein ausgewiesenes Wasserschutzgebiet, in dem jahrzehntelang Rad-Wandernde beschildert darauf hingewiesen wurden, nichts zu verschmutzen, ist nun bald versiegelte Asphaltwüste? Einem veralteten Abwägungsprozess zum Opfer gefallen. Wir sind nicht in den 50iger- oder 60iger Jahre des letzten Jahrhunderts. Mit Biegen und Brechen und einem erheblichen Maß an Gewalt gegen Natur und Mensch wird hier verbohrt und verstockt eine Maßnahme durchgesetzt, die heute nicht mehr genehmigungsfähig wäre. (Danneröder „Wald“, 23.11.2020)

Hätte uns Merkel, Klöckner, Scheuer und Co. in Berlin auch begrüßt?

In Bonn am 06.12. vor dem Kongress Zentrum, dem ehemaligen Abgeordnetenhaus, fertig gestellt kurz vor der Wende, wurden wir vormittags von der neuen Oberbürgermeisterin Katja Dörner, (Am Bundesbüdchen) von MdEP Alexandra Geese und von Martin Frick, UN-Ernährungssicherung, in Bornheim vom Bürgermeister und der Bürgermeisterin von Swisttal und vom ADFC Vorsitzenden begrüßt und unterstützt. Es gab überhaupt viel Unterstützung. Und die zu Beginn in Bonn etwa 80 – 100 Radfahrenden bedankten sich als Memo und Mahnung mit Mini-Eiffeltürmen für die Büro-Schreibtische.

Hätte Merkel uns auch begrüßt und unterstützt, wenn wir durch Berlin gefahren wären? Klöckner? Schultz? Scheuer? Sei‘s drum. Wichtig ist, dass sie, auf die es jetzt ankommt, am 10.12. in Brüssel beim EU-Gipfel die Vorlagen der EU-Kommission und nachgebessert des EU-Parlaments übernehmen und in ihren Ländern sehr zügig umsetzen. Ohne Flächenumverteilung z. B. im Verkehr geht das nicht.

Nach etwa 40 Km endete kurz vor der Dunkelheit die heutige Etappe mit einer Querung der Hohenzollernbrücke – der kleine Eiffelturm auf einem Lastenrad befestigt- schon erwartet auf dem Roncalliplatz mit einer Kundgebung.

Am nächsten Tag, von Köln nach Aachen, warteten ca. 90 km auf uns mit dem Schwerpunkt ehemaliger Hambacher Wald. Am „Terra Nova Aussichtspunkt“ blickten wir auf ein 400 m tiefes und acht bis zehn Kilometer breites und langes LOCH und besichtigten anschließend Reste des Hambacher Waldes - jeweils mit Vorträgen von Michael Zobel, bekannt durch seine inzwischen hunderte sonntäglichen Waldspaziergänge im Braunkohlerevier.

Von RWE ist weiterhin kein Schutz des Waldes in Sicht, die einzelnen noch bestehenden Reste werden nicht vernetzt und lebensfähig gemacht. Stattdessen wird dem Wald das Wasser abgegraben. Der Großgrundbesitzer des Rheinlandes wütet und verwüstet weiter. Wir fuhren anschließend durch die ehemaligen Dörfer Manheim und Morschenich, deren Häuser vor zwei Jahren noch bewohnt waren, und konnten nun bei den Abrissarbeiten zusehen. In Aachen endete an diesem Tag die Tour mit Begrüßung und Unterstützung u.a. durch die Oberbürgermeisterin. (https://www.ardmediathek.de/wdr/video/lokalzeit-aus-aachen/lokalzeit-aus-aachen-oder-08-12-2020/wdrfernsehen/ etwa ab Min. 16)

In Bornheim und am Camp des Hambacher Restwaldes wurden wir mittags mit Suppe und Brötchen gut versorgt. Wir hatten als angemeldete Versammlung lange Abschnitte mit polizeilicher Begleitung. Ein radfahrerisches Vergnügen auf den Fahrbahnen nebeneinander, zügig, sicher, komfortabel und stressfrei mit häufig grüner Welle rollen zu können. Rumpelige, kurvige Radwege am engen Seitenrand kennen wir wohl alle von unseren Alltagsfahrten zur Genüge.

Nicht immer war das Fahren bei Regen ein Vergnügen. Doch es geht – auch im Dezember.

Im Münsterland ist das sowieso klar. Damit das schöne Wetter bleibt, muss die Schönwetterpolitik aufhören. Wir sahen an diesem Tag viel KFZ und viel Bundesstraße. Das haben wir im Münsterland ebenfalls reichlich. Vom Rhein sahen wir wenig. Den haben wir nicht bei uns.

Dass die politisch engagierten Gruppen bunt unterwegs waren: einmal die Kleidung, alte und neue Räder, auch Lastenräder, jedoch auch jung und alt, Frauen und Männer – letzteres sehen wir im Münsterland bisher noch weniger als an diesen beiden Tagen im Rheinland. Aufmunternd freundlich: „Ihr habt doch in Münster Maria 2.0 und eine ganz bekannte Aktivistin von FFF!“

Am 10. Dezember 2020 wird nun die von Parents 4 Future Leipzig angestoßene Botschaft an die EU übergeben: MakeParisReal. Fight for 1 Point 5.

Was wird der EU-Gipfel bringen?

Elmar Post (FG Radverkehr, ADFC KV Münsterland)


© 2021 ADFC Kreisverband Münsterland e. V.