Wir machen Radverkehrspolitik nicht für´s Fahrrad – sondern für Menschen!

16.03.16
Kategorie: Münster, Münster (OG), Verkehr, Presse

Luger Koopmann (hinten) erklärt seine Position Bild-P.Wolter



Andreas Wilting im Element Bild-P.Wolter


Unter dieser Überschrift stelle der stellvertretende ADFC Bundesvorsitzende Ludger Koopmann, am 10. März seinen Vortrag beim Besuch der Fachgruppe Radverkehr des ADFC Münster. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt Rhede (Gewinner des Fahrradklimatest 2014 bei Kommunen bis 50.000 Einwohner) Lothar Mittag, setze noch einen drauf: „Wir müssen Städte wieder lebenswert machen, mit diesem Ziel holt man alle gesellschaftlichen Gruppen und Parteien in ein Boot. Auf diesem Weg dorthin, kommt man dann am Fahrrad überhaupt nicht vorbei, wenn man Unfallzahlen, Lärm und Abgase vermindern will!“

Das Ziel war unter den beteiligten klar, aber der Weg dorthin kann nur gelingen, wenn alle mitgenommen werden und das kann auch mal heißen, dass man Kompromisse finden muss und auch mal Umwege geht. Um den Schulterschluss zwischen den Planern, Politikern, Bürgern, Kaufmannschaften, Polizei, etc. zu schaffen braucht es Geduld, klare Visionen, Kampagnen sowie Allianzen zwischen allen Beteiligten.

Um diese Vision klar benennen zu können, hat der ADFC 2013 auf der Bundeshauptversammlung in Aachen sein „Verkehrspolitisches Programm“ (VPP) verabschiedet. Darin heißt es in der Präambel:

Wir haben eine Vision: Im Jahr 2025 erreichen die Menschen ihre Ziele schnell, sicher, kostengünstig, umweltfreundlich und unter komfortablen Bedingungen. Damit das Realität wird, setzen wir uns für die Entwicklung eines Verkehrssystems ein, das auf Nähe und intelligente Verbindung verschiedener Verkehrsmittel baut und in dessen Mittelpunkt das Fahrrad steht.

Ich bin kein Autogegner sondern ein Fahrradbefürworter! Es geht um den intelligenten Einsatz der Verkehrsmittel. In Deutschland gibt es eine große Gruppe von rund 50% Menschen, die sagen, ich würde gerne Radfahren wenn es sicherer wäre. Um diese große Gruppe von ängstlichen Menschen, zu denen oft Frauen, Kinder und ältere Menschen zählen, für das Fahrrad zu gewinnen, gibt es nicht den Königsweg. Fahrradförderung bedarf einen ganzen Strauß von Maßnahmen, die sich immer am Menschen orientieren müssen. Wenn sich Menschen auf Hochbordradwegen sicher fühlen, dann gehören auch diese dazu. Man muss sie dann eben durch Fahrradschleusen und Sichtbeziehungen an Einmündungen und durch ausreichenden Platz sicherer machen“, so Koopmann. Mittag: „Als ehemaliger Bürgermeister weiß ich zu genau warum viele Kommunen sich schnell von der Radwegebenutzungspflicht verabschiedet haben, weil sie mit dem Abbau der Schilder und einstellen der Unterhaltungskosten schlicht Geld sparen wollen, ohne die Sicherheit der Radler damit im Auge zu haben!“

Peter Wolter, Vorsitzender des ADFC Münsterland, betonte, dass bei den weiteren Detailpapieren zum VPP, der Passus aufgenommen werden sollte, dass Investitionsmittel im Radwegebau immer an der Zeitersparnis nach dem Ausbau gemessen werden müsste. Denn anders als bei Sicherheit und Komfort, lässt sich nur hier der Mitteleinsatz sicher Messbar ablesen. Damit hat Verwaltung und Politik ein objektives Prüfinstrument die Wirtschaftlichkeit nachzuweisen. Ist die Fahrzeitverkürzung relevant, dann ergeben sich automatisch auch sichere und komfortable Radwege. Denn Umwege, schlechte Ampelschaltungen und eine Oberflächenbeschaffenheiten die nicht stimmt, schafft kein Zusatznutzen in Form von einer Fahrzeitverkürzung.

Ich halte nichts von einer ideologischen Betrachtung von Radwegen. Wenn die Menschen die Radverkehrsanlagen nutzen, dann ist die Anlage richtig. Also muss ich nur nach Beispielen schauen, die es im In- und Ausland vielfach gibt und diese Kopieren, denn die Menschen ticken überall gleich“, unterstreicht Koopmann. „Einen Rat möchte ich noch loswerden, macht zum Umwelttag oder Fahrradaktionstag in Münster mal eine Kampagne, bei der auf einer Straße mit löslicher Farbe auf drei- oder vierhundert Metern die unterschiedlichsten Fahrradstreifen aufgebracht werden. Doppelstreifen und zusätzlich noch Flexpoller erfreuen sich dabei bei den Radlern besonderer Zustimmung!“

Nach einem fast 4stündigen intensiven Meinungsaustausch stellte Koopmann in Aussicht, dass auf Basis des VPP in den nächsten Monaten der Punkt Radwegeinfrastruktur ausgearbeitet werden soll. Hierzu möchte er aus jedem Landesverband zwei verkehrspolitisch interessierte Mitglieder einladen. Er hofft dabei den einen oder anderen dabei wieder zu sehen. Koopmann: „Schließlich müssen wir uns als ADFC erst mal selbst positionieren, bevor wir danach auf den Markt gehen!

Peter Wolter

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