Ziel ist Radeln ohne Angst

01.07.04
Kategorie: Münster, Seminar

Gruppe lernt mit dem Fahrrad-Club, den Drahtesel neu (oder wieder) zu beherrschen MZ 1.7.2004, MÜNSTER. 50 Jahre Angst vor dem Radfahren lassen sich nicht in ein paar Stunden Üben abbauen - denn diese Furcht sitzt im Kopf. Doch die 60-jährige Coesfelderin hat einen wichtigen Schritt getan: Sie kommt einmal pro Woche nach Münster, um im Kurs des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) das bisher so Gefürchtete zu lernen.

Und hier hat sie dann erfahren, dass auch andere Männer und Frauen, ältere und jüngere, das so scheinbar Selbstverständliche nicht beherrschen: Einige hatten als Kind einen Radunfall und sind nie wieder in die Pedale getreten, andere kommen aus Regionen, in denen der Drahtesel nicht unbedingt ins Straßenbild gehört. Auch aus anderen Kulturkreisen sind Teilnehmer bei diesem viel nachgefragten Angebot, das Karl Dieter Hartwich mit freiwilligen Helfern des ADFC durchführt. „Ich hatte in Athen nie Gelegenheit", so erzählt die Griechin; für die knapp 60-Jährige aus Sri Lanka - wöchentlich von ihrer deutschen Nachbarin aus Altenberge gebracht - eröffnete sich mit dem Vorschlag, Radfahren zu lernen, eine ganz neue Welt: „Sie hat so viel Selbstbewusstsein bekommen!" berichtet ihre Begleiterin. Nun will Nagiswary als Nächstes sogar Schwimmen lernen!

Eine Türkin ist dabei, eine jüngere Frau aus Eritrea, ein Italiener. Niemand schaut den anderen schief an, wenn etwas noch nicht recht klappt oder die Angst (die im Kopf!) plötzlich für zitternde Knie sorgt, weil auf dem kleinen Übungsweg Gegenverkehr auftaucht.

„Sicherheit" steht für die Fahranfänger an erster Stelle, betont Hartwich. „Wir beginnen einen solchen Kurs mit einem Rad ohne Pedalen wir lernen zu bremsen, zu schieben und zu kippen, bevor wir das erste Mal überhaupt ans Treten kommen!". Das hat sich offenbar bewährt, denn nach der inzwischen sechsten Stunde bereitet der Gedanke an eine kleine Tour ins Grüne zum Abschluss des Kurses den meisten Teilnehmern keine allzu großen Sorgen mehr. Ja, einige freuen sich sogar auf die Möglichkeiten, die sich mit den neu erlernten Techniken ergeben: „Ich kann dann endlich mitfahren bei der Maitour unseres Kegelclubs!", oder „Dann muss mein Mann nicht mehr alleine mit unserem Sohn fahren!". Gerade für Menschen, die das Radeln (wieder) neu erlernt haben, fehle im münsterschen Angebotsspektrum die eine oder andere langsame, geführte Tour, hat Hartwich oft gehört. „Wir haben dazu einfach zu wenig Ehrenamtliche beim ADFC!" bedauert er.

Aber vielleicht trauen sich die fröhlichen und mutigen Gruppenmitglieder ja bald auch allein auf Radwege und Pättkes. Denn die Angst weicht mit jede Radumdrehung ein kleines Stückchen.

Münstersche Zeitung (Mit freundlicher Genehmigung)
Text und Foto: Heike Hänscheid

Heike Hänscheid

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