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Velo-City 2007

18.06.07

Perfekte Organisation fürs Internationale Publikum



Buntes Treiben im Regen während der Velo-City Radl Night



Tausende Radfahrer befahren täglich diesen Radweg durch eine Fußgängerzone


Zu einer erlebnisreichen Arbeitswoche reisten drei ADFC-Delegierte aus dem Rhein-Kreis Neuss im Juni 2007 nach München. Ziel: Die Radverkehrskonferenz Velo-City.

Mal über den Tellerrand schauen und eine kompakte Woche lang in einem anderen als dem häuslichen Ballungsraum mit dem Rad zur Arbeit fahren. Dabei engagierte Pedaleure aus anderen Ländern kennenlernen und von Fachleuten etwas über moderne Radverkehrskonzepte für Alltag und Tourismus lernen. Mit dieser Erwartung reisten drei Delegierte aus dem Kreis Neuss im Sommer zur Velo-City-Konferenz nach München. Wir waren zwar mit eigenen (Falt)Rädern gekommen, aber der kostenlose Leihrad-Service für die Konferenzteilnehmer aus ganz Europa hätte uns auch gefallen können, er war perfekt organisiert.

Nahmobilität

Dem Motto „From Vision to Reality“ entsprechend, konnte man auf dem Kongress immer wieder Wunsch und Wirklichkeit vergleichen. Von 18 Prozent Radverkehrsanteil in Dänemark bis unter fünf Prozent in britischen Großstädten spannte sich ein weiter Bogen. Doch gleich wohin man schaut: Radverkehr ist immer primär lokaler Verkehr und von lokalen Bedürfnissen geprägt. Beim Projekt Spicycles in Berliner Bezirk Pankow hat man deshalb die Bürger gleich mit eingebunden. Postmaterieller Lebensstil, die Wiederentdeckung von Urbanität und der demografische Wandel verstärken die Nachfrage nach Nahmobilität. Und die ist so unterschiedlich wie die Menschen, die man auf dem Fahrrad trifft: Schnell, langsam, zur Arbeit, zum Einkauf, zur Schule oder zum Vergnügen sind sie unterwegs und suchen mal direkte und zügige, mal beschauliche und ruhige Wege. Hierfür braucht man Haupt- und Nebenrouten; auf der Postersession am Stand des finnischen Tampere war zu sehen, wie man zwei solche Netze am gleichen Ort knüpfen kann.

Kommunikation ist alles – nicht ganz!

Wenn man den Ausführungen des Trierer Professors Heiner Monheim und seiner Studenten folgte, könnte man meinen, Werbung für das Radfahren sei wichtiger als Verkehrsplanung. Ganz so weit muss man ja nicht gehen, aber die Botschaft „Sprich weniger über Infrastruktur, starte eine breite Kommunikationskampagne, um Leute [zum Radfahren] zu motivieren“ hat schon einen guten Grund. Schließlich modellieren die Automobilhersteller seit Jahren mit stark emotionalen Werbebotschaften sehr erfolgreich am Lifestyle-Image ihrer Produkte in den Köpfen der Menschen. Die Trierer Studentengruppe führte vor, wie man knackige Image-Kampagnen für das Radfahren aufbauen kann. Konzept und Bildmaterial stehen allen Interessierten unter www.radlust.info zur Verwendung in eigenen Publikationen frei.

Kommunikation und Gaudi pur gab es während der Velo-City Radl Night, einer Fahrrad-Demo mit tausenden Teilnehmern quer durch München. Kommunikation ist alles – aber nichts ohne Unterstützung in der Politik. Die klugen Münchner haben sich mit Christian Ude einen bekennenden „Stadtradler“ zum OB gewählt, der ein Buch geschrieben hat, das vom „Radfahren aus purer Genusssucht“ und urbaner „Bewegungsfreude“ erzählt. Von solchen Verhältnissen können wir im Rheinland vorerst leider nur träumen.

Eindrücke und Ausblicke

Nahmobilität per Rad in München erfuhren wir auf unseren Wegen zwischen Hotel und Konferenzort Gasteig ausführlich selbst. Unser Urteil nach vier Tagen Alltagsradeln in der Bayernmetropole lautete: noch nicht perfekt, aber sehr respektabel! Beeindruckt haben uns die Massen an Radfahrern auf den Isarbrücken (hier passieren täglich 34.000 per Rad) und auf dem Radweg in der Fußgängerzone Residenzstraße. Hier fließt der Radverkehr ruhig und pausenlos, und man verträgt sich problemlos und ampelfrei mit den Fußgängern und den kreuzenden Straßenbahnen.

Am Rande haben wir viele Gespräche mit Radlern und Radverkehrsexperten aus anderen europäischen Ländern führen können und freuten uns, einigen alten Bekannten wieder zu begegenen. So unterschiedlich die Orte sind, aus denen wir alle kamen: Probleme und Lösungen sind immer wieder ähnlich und überall stellt man fest, dass das Fahrrad dabei ist, ein wichtiger Verkehrsträger für Nahmobilität zu werden.

Wir freuen uns schon auf die nächste Velocity-Konferenz 2009 in Brüssel. Wir hoffen, dass wir dort auch Verkehrsplaner und Fahrradbeauftragte aus unserer Region treffen werden. Denn die haben wir in München vermisst – dabei ist die Velo-City-Konferenz doch gerade für sie gemacht.

H. Adamsky, H.-G. Leijser, R. Uebbing


Kurzes Video von der Velocity-Radl-Night


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