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Schieben ist keine Lösung

25.09.09

Büderischer Gehwegplatte



Dorfstraße: Radfahrstreifen und Einbahnregelung für KFZ würden Radfahrer zurück auf die Fahrbahn locken.


Quer durch Büderich verlaufen zwei verkehrsreiche Straßen, auf denen Radfahrer nichts zu melden haben. Denn die ehemalige B9 und die Dorfstraße sind fest im Griff des Autoverkehrs. Ein Bericht von der Lage vor Ort und Lösungsansätzte des ADFC.

Peter Koenders vom Meerbuscher ADFC schaut sich zusammen mit Frank Stertkamp das Treiben auf der Büdericher Dorfstraße an. Der Name klingt idyllisch, aber das täuscht. Hier fahren die Autos dicht an dicht, denn an der Straße im Herzen von Büderich liegen das Meerbuscher Rathaus und viele Geschäfte, sogar ein Einkaufszentrum – lauter Ziele für örtlichen Verkehr. Und nicht nur das: Die Dorfstraße hat als direkte Verbindung zwischen Düsseldorf-Lörick und der B7 (jetzt L137) auch noch jede Menge Durchgangsverkehr.

Lösung: Einbahnstraße

     
Endlich eine Lücke. Mit einer Schnur messen die beiden die Breite der Fahrbahn aus. Es sind ungefähr sechs Meter, zuwenig für Radwege auf beiden Seiten. Radfahrer sieht man übrigens kaum auf der Dorfstraße. Die flüchten alle auf den Bürgersteig. Da sie dort aber nichts verloren haben und die Stadt Meerbusch nett sein möchte, hat sie dort Platten mit der Aufschrift „Bitte Schieben“ in den Gehweg eingelassen. Das nützt leider nichts, die Radfahrer benutzen trotzdem munter weiter den Bürgersteig, was für die Fußgänger gar nicht nett ist, das sei den Radfahrern auch mal deutlich gesagt.

Schieben ist aber auch keine Lösung, die vergebliche Nettigkeit der Meerbuscher Verwaltung verdeckt nur den Blick auf echte Lösungen. Schon im August 2008 hatte Peter Koenders in der NGZ vorgeschlagen, die Dorfstraße zur Einbahnstraße machen. Das würde Platz schaffen würde für Radfahrstreifen auf der Fahrbahn, es würde zur Verkehrsberuhigung beitragen und außerdem nur wenig kosten.

Linker Radweg auf der B9?

Eigentlich war Frank Stertkamp wegen der B9 gekommmen. Das ist die lange Durchgangsstraße durch Büderich mit noch mehr Verkehr als auf der Dorfstraße. Hier kommt er mehrmals wöchentlich mit dem Fahrrad lang, denn er pendelt zwischen Düsseldorf-Heerdt und Krefeld.

Auf dem Weg nach Krefeld hatte er eines Morgens eine unangenehme Begegnung mit der Polizei. Die forderte ihn auf, den ausgeschilderten Radweg zu benutzen, den es hier aber nur auf der linken Seite gibt und der außerdem zu dieser Zeit von mehreren Baustellen unterbrochen und deshalb unbefahrbar war. Frank Stertkamp fühlt sich durch dieses Schild gegängelt und in seiner Sicherheit gefährdet: „Das Schild zwingt mich, einen Radweg zu benutzen, den ich auftgrund der Wanderbaustellen nicht oder auf intakten Teilstrecken nur langsam befahren kann, weil die Begegnung mit KFZ auf der linken Seite gefährlich ist. Abgesehen von der möglichen Gefährdung meiner Gesundheit kostet mich das jedes Mal wertvolle Zeit.“

Eigentlich darf es innerhalb geschlossener Ortschaften keine linken Radwege geben. Das schreibt die Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung (VwV StVO) so vor, weil das Fahren auf der linken Seite mit besonderen Gefahren verbunden ist.

Natürlich gab Frank Stertkamp klein bei, sonst wäre aus der Ermahnung eine kostenpflichtige Verwarnung geworden. Der Polizeibeamte brauchte nur auf das blaue Schild auf der anderen Straßenseite zu verweisen, das den Radweg benutzungspflichtig macht, Verwaltungsvorschrift hin oder her. Frank Stertkamp muss sich diesen Weg mit Radfahrern aus der anderen Richtung teilen, streckenweise auch mit Fußgängern. Und er muss die verkehrsreiche B9 zweimal unnötig überqueren, um auf die linke Seite zu kommen und später bei Haus Meer wieder zurück auf die vorgeschriebene rechte Straßenseite.

Frank Stertkamp ist nicht der einzige Radfahrer, den das hier frustriert. Büdericher, die mit dem Rad zur Kirche fahren wollen, werden für einige hundert Meter auf die andere Seite und zurück geschickt. Aber was kann man tun? Schließlich wird die alte B9 derzeit auf der ganzen Länge in Büderich saniert, die Pläne stehen fest, und in denen ist kein Radweg auf der rechten Seite vorgesehen. Das hängt mit allerlei politischem Streit zusammen, bei dem Geld und Bäume eine Rolle spielten und der leider auf Kosten der Radfahrer ausgetragen wurde. Der ADFC erwartet jetzt wenigstens Schadensbegrenzung für die Radfahrer. Die am ersten September 2009 in Kraft getretene neue Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung darf nicht unbeachtet bleiben. Sie spricht eine deutliche Sprache: Die Benutzung von in Fahrtrichtung links angelegten Radwegen in Gegenrichtung ist insbesondere innerhalb geschlossener Ortschaften mit besonderen Gefahren verbunden und soll deshalb grundsätzlich nicth angeordnet werden.

Lösung: Keine Benutzungspflicht

Um dem berechtigten Interesse von Radfahrern an einer sicheren und zügigen Fahrt durch Büderich Rechnung zu tragen, fordert der ADFC daher, für die linke Seite die Benutzungspflicht aufzuheben. Dies ist mit keinen baulichen Änderungen verbunden. Darüber hinaus regt der ADFC an, auf der rechten Seite Schutzstreifen zu markieren – Bereiche der Fahrbahn, die durch eine unterbrochene weiße Linie abgetrennt werden.

Schutzstreifen sind vorrangig für Radfahrer vorgesehen, sie dürfen aber bei Bedarf von KFZ überfahren werden, wenn kein Radfahrer da ist. Beide Maßnahmen sind kostensparend. Der ADFC geht zurzeit mit seinen Vorschlägen auf die politischen Entscheidungsträger zu. Über das Ergebnis werden wir berichten.

Heribert Adamsky

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