Politik noch vor den drei Königen

05.01.11

Vorsitzende führen ausführliches Gespräch mit SPD-Landtagsabgeordneten aus dem Bergischen

Direkt nach dem Jahreswechsel war ein Gedankenaustausch der beiden Vorsitzenden des ADFC Wuppertal, Lorenz Hoffmann-Gaubig und Klaus Lang, mit den SPD-Landtagsabgeordneten aus dem Bergischen, Dietmar Bell und Josef Neumann vereinbart. Leider war Herr Bell kurzfristig krankheitsbedingt verhindert. Der Austausch mit Herrn Neumann war aber intensiv. In einem lebhaften Gespräch wurden viele Bergischen Verkehrsprojekte angesprochen, vor allem zahlreiche Projektideen für den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur, aber auch des ÖPNV.

Der ADFC beschrieb im Gespräch die angespannte Verkehrssituation im Tal aus seiner Sicht. Unter dem hohem Anteil an PKW-Verkehr leiden insbesondere die Stadtbewohner.

Mobilität ist im Bergischen Städtedreieck geprägt von PKW, ÖPNV und Fußgängern. Radverkehr hat aber noch ein besonders steigerungsfähiges Potential, das nicht ansatzweise ausgeschöpft ist. Dabei bringt gerade der Radverkehr eine besonders preiswerte Entlastung der angespannten Verkehrslage. Platzbedarf und Lärmentwicklung sind bei ihm geringer als bei allen motorisierten Fortbewegungsmöglichkeiten. Er ist durch Null-Emissionen besonders umweltverträglich. Gleichzeitig schont Radverkehr die Kassen von EinwohnerInnen und Kommune, da der geringe Platzbedarf und die niedrigeren technischen Anforderungen Kosten für Verkehrswegebau reduzieren und aufwendige Ausbaumaßnahmen der Infrastruktur überflüssig werden. Der Verschleiß ist minimal, so dass auch die Folgekosten viel niedriger liegen als bei motorisiertem Verkehr.

Beim Radverkehr in Wuppertal und seinen Nachbarstädten ist eine moderate Zunahme schon heute sichtbar, wir bekommen aber durch die Bahntrassenradwege einen enormen zusätzlichen Schub. Die Infrastruktur in den Städten ist darauf aber in keiner Weise vorbereitet.

Der tatsächliche Stellenwert des Radverkehrs in der Verkehrspolitik drückt sich immer auch in der Finanzierung aus. Ein interessantes Beispiel hierfür ist die Diskussion um die L 419. Sollte der Ausbau tatsächlich kommen, würde die Engpasssituation an einer Stelle bestenfalls gelöst, nach unserer Einschätzung aber nur in die andienenden Straßen verlagert. An der täglichen Katastrophe im Stadtgebiet ändert sich trotz des Einsatzes eines mindestens hohen zweistelligen Millionenbetrages nichts.

Wir benötigen durchgehende Radverbindungen, die nicht im Nichts enden, teilweise umgestaltete Kreuzungen, bauliche Änderungen an Gefahrenpunkten, Öffnungen von Einbahnstraßen mit baulicher Absicherung von Gefahrenpunkten, eigene Fahrradampeln, gekennzeichnete Radstreifen, überdachte und gesicherte Abstellanlagen an öffentlichen Gebäuden, insbesondere Schulen, Sportplätzen und Schwimmbädern, Bike- und Ride- Anlagen an Bahnhöfen und Haltestellen von Bussen und Schwebebahn, bessere Transportmöglichkeiten im ÖPNV insbesondere auf die Höhenzüge und gerne auch den einen oder anderen Fahrradlift wie zum Beispiel als Anbindung der Uni. Solche Maßnahmen scheitern aber auch an der Klassifikation als "Freiwillige Leistungen" die nicht unabwendbar und damit auch nicht zulässig sind.

Der touristische Aspekt des Radverkehrs wird durch die Trassen im Bergischen sicher vorangetrieben. Der verkehrs- ,umwelt- und finanzpolitische Aspekt ist aus unserer Sicht aber mindestens ebenso wichtig und bisher nur unzureichend berücksichtigt.

Als ein Ergebnis des Gesprächs wird der ADFC Wuppertal eine Projektliste mit Vorschlägen für die Radverkehrsförderung im Bergischen Städtedreieck erarbeiten. Diese soll dann auf Landesebene bei den zuständigen Ministerien eingebracht werden.  Darüber hinaus wird der ADFC am 26. März eine gemeinsame Verkehrspolitische Radtour mit den Landtagsabgeordneten durch das Bergische Städtedreieck durchführen.


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