Wenn der Umweltschutz sich selbst im Weg steht

03.03.16



Auf dem Gelände der Bundesgartenschau in Koblenz ist zu besichtigen, wie moderne Seilbahnen aussehen können.


BUND will emissionsfreie Seilbahn verhindern

Die Kreisgruppe Wuppertal des BUND schlägt wieder einmal zu. Im Fokus diesmal: Die Seilbahn. Eine Stütze steht falsch. Das ist schlecht für ein paar Bäume und einen Grundwasserstrom. Zwar kennen wir noch nicht die Auswirkungen auf das Bussystem der Südstadt, aber auch die sind schlecht. Also soll sich die Stadt gar nicht mehr mit der Machbarkeit beschäftigen. Statt sich über eine bessere Lösung an möglicherweise problematischen Details Gedanken zu machen, unterstützt der BUND jetzt die Initiative „Seilbahnfreies Wuppertal“.

Erneut hat der BUND eine ganz besondere Sicht der Umweltschutzbelange an den Tag gelegt. Hatte wir in der Vergangenheit eine natürliche Verbundenheit mit dieser Organisation, fällt es uns heute schwer, die Kreisgruppe noch wirklich ernst zu nehmen. War doch das letzte Projekt, an dem man sich abgearbeitet hat, die Nordbahntrasse. Auch bei diesem aus unserer Sicht größten Umweltschutzprojekt in dieser Stadt in den letzten Jahrzehnten hat der BUND jahrelang seine ganze Kraft in den Versuch der Verhinderung gesteckt.

Inhaltlich: Straßen NRW holzt im Augenblick hunderte Bäume entlang der Autobahnen und Schnellstraßen ab. Ein wichtiger Filter gegen die entstehenden Abgase und den von diesen Straßen ausgehenden Lärm verschwindet stadtweit, um eine Behinderung des Straßenverkehrs durch bei Stürmen möglicherweise umstürzende Bäume ausschließen. Kein Wort hab ich gehört zu dieser Kahlschlagmaßnahme. Dabei sind hier mehrhundertfach so viele Bäume gefallen, wie es beim Seilbahn-Projekt selbst im schlimmsten Fall notwendig wäre.

Im Vergleich der umweltschädlichen Emissionen hat die Seilbahn schon jetzt die Nase vorn. Dabei wird für die Busse von den offiziell angegebenen Abgaswerten ausgegangen. Wer glaubt die allerdings noch? Nachdem wir aus dem PKW-Bereich inzwischen wissen, dass nicht nur VW, sondern auch fast alle anderen Hersteller in den Rollentests vollkommen unrealistische Werte erzielen, die mit dem Echtbetrieb nichts zu tun haben. Wer glaubt, dies sei bei großen Dieselmotoren anders?

Im Übrigen ist die Diskussion über das Busnetz bei Seilbahnbetrieb ja noch gar nicht geführt. Dabei bieten sich durchaus auch Chancen zur Optimierung der Quartierserschließung, wenn die Linien nur noch einen Nahbereich anfahren und nicht gleichzeitig die Fernstrecke bedienen müssen.

Ein konsequenter Ausbau der P & R Möglichkeiten könnte im Übrigen eine Vielzahl an PKW-Fahrten in die Innenstadt verhindern und so eine viel bessere Wirkung erzielen als jede Umweltzone. Und die Attraktivität einer Seilbahn ist dazu geeignet, die Kunden tatsächlich zum Umstieg aus dem eigenen Auto zu bewegen. Das entlastet die Innenstadt dann nicht nur von Abgasen, sondern auch von der viel zu hohen Zahl von Autos mit all ihren Folgeproblemen.

Leider alles kein Thema beim BUND. Eine ehemals hoch angesehene Umweltschutzorganisation demontiert sich selbst.

Der ADFC Wuppertal hatte die Seilbahn-Idee immer begrüßt und unterstützt sie aus Überzeugung. Auch für Radverkehr bietet sie ein erhebliches Potential, ermöglicht sie doch eine vereinfachte Erreichbarkeit aller Ziele auf den Südhängen. Zum Glück ist die Unterstützung in der Stadt breit, umfasst beinahe alle politischen und gesellschaftlichen Lager. Daher sehen wir auch weiterhin optimistisch in die Seilbahn- Zukunft.


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