Wie auf Schienen

07.12.10
Kategorie: Wuppertal/Solingen, Aktuelles, Technik

Schnee und Eis stoppen Radfahrer nicht - Erfahrungsbericht in zwei Akten und ein Leserbrief

Radfahren bei Schnee und Eis? Sicher nicht jedermann's Sache, aber wer sich aufmerksam umschaut, wird auch zur Zeit noch zahlreiche Radfahrer im Stadtgebiet wahrnehmen.
Auch unser Tester ist weiterhin täglich mit dem Rad unterwegs und seit dieser Woche auch mit Spikes. Der Marathon Winter von Schwalbe macht das Radfahren bei Schnee und Eis so richtig zum Vergnügen. Die Spikes fressen sich förmlich in die rutschige Masse, egal ob Schnee, Matsch oder Eis - halt fast wie auf Schienen.
Schon im letzten Winter hatten einige unserer Vielfahrer mit einem Satz Spikes-Reifen geliebäugelt, nur leider waren ab Januar keine mehr lieferbar. Ist sicher auch keine wirklich preiswerte Lösung, aber auf jeden Fall ihr Geld mehr als wert. Der Sicherheitsgewinn beim Fahren ist enorm, auch plötzliche Lenkbewegungen, Vollbremsungen und schnelle Kurvenfahrten sind sicher zu meistern. Auch auf Asphalt und bei trockener Witterung sind die Reifen problemlos zu fahren, allerdings mit deutlich hörbaren Laufgeräuschen.
Fazit: Absolut empfehlenswert!
Unser Tipp am Rande: Es ist eine Überlegung wert, Spikes auf dem Ersatz-oder Zweitrad aufzuziehen und das hochwertige Erstrad bei entsprechenden Witterungsbedingungen nicht zu nutzen. Die heute üblichen Streusalze haben neben dem Salz weitere Zusätze. Diese greifen in extremer Weise die hochwertigen Metalle , besonders auch Edelstahl an. Der Alterungsprozess wird so stark beschleunigt, Brüche z.B. von Felgen und massive Korrosionsschäden treten regelmäßig auf. Deshalb dürfen die Fahrräder nach der Benutzung auch gern ein wenig Wasser sehen.

Drei Tage später:

Radfahren im Winter, bei dem Schnee - ist doch viel zu gefährlich. Solche Sprüche oder Kommentare ernte ich im Moment reihenweise. Aber spätestens wenn ich mit meinem Rad und den Spikes mal wieder an den sich stauenden Autos vorbei fahre - oder wenn ich wie heute früh als einziges Fahrzeug durch festgefahrenen LKW´s im Vohwinkeler Industriegebiet fahre und alle Autos für lange Zeit in der Warteschleife stehen - ja dann weiß ich wieder: auch im Winter ist das Fahrrad meistens das schnellste Verkehrsmittel im Stadtverkehr.

Auch wenn ich mir dabei manchmal den A.... abfriere, Spaß macht es trotzdem, schnell bin ich auch und Co2-frei sowieso.

Aber ich gebe auch gerne zu: Ab 20 oder 25 cm Schneehöhe ist dann wirklich Schluss mit Fahren. Auch Spikes stoßen irgendwann an Ihre Grenzen, und der hohe Schnee lässt nur noch rumgeeier zu.

zu diesem Thema erreichte uns auch ein Leserbrief:

 

In dieser Woche sind wir wohl mit unseren Rädern so richtig auf Entsetzen gestoßen! Meine Kollegen fragen mich jeden Tag ungläubig, ob ich schon wieder mit dem Rad... OH Gott, Oh je, du landest noch im Krankenhaus usw.   Aber Du hast es ja auf der ADFC-Site beschrieben, an stauenden Autos vorbeiziehen, am Arbeitsplatz die ersten und pünktlichsten sein, gut gelaunt, hellwach und glücklich, versetzen wir die anderen in Staunen.

Meine Kollegen kamen zu spät, durchnässt, erfroren und die mit Auto genervt von der Parkplatzsuche. Ich hatte stets ein Lächeln auf den Lippen und habe mich auf das nächste Mal gefreut.

Heute hatte meine Chefin 2,5 Std. Verspätung und solchen Frust im Schnee, das wir alle Termine absagen durften und Freitag die Praxis geschlossen bleibt. So habe ich wegen Schnee und Autos einen freien Tag!

Ich bin ein glücklicher Mensch - Dank Rad fahren!! :-)  


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