Aue wird zur Sackgasse

Nachdem das Luisenviertel, vor allem die Friedrich-Ebert-Straße in den letzten Wochen insbesondere im nachmittäglichen Berufsverkehr zum Dauerstau-Punkt wurde, wird nun versucht, dieser Entwicklung gegenzusteuern. Überwiegend entsteht der Stau durch den Versuch, über diese Strecke und eine Ausfahrt aus der Aue erst direkt am Robert-Daum-Platz den Rückstau auf der B 7 zu umgehen. Das führt aber zu einer miserablen Situation auf der Rechtsabbiegerspur, da hier zu viele Fahrzeuge aus verschiedenen Richtungen in den sowieso nicht abfließenden Verkehr auf der Briller Straße drängen.

In der BV Elberfeld wurde am 3.9.14 beschlossen, die Aue nun zur Sackgasse zu machen. Die Ausfahrt in Richtung Robert-Daum Platz für PKW wird gesperrt. Die Ausfahrtmöglichkeit für Radverkehr bleibt bestehen.

Aus unserer Sicht ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Es wird aber die Problematik des Staus im Luisenviertel nicht lösen. Die PKW werden statt über die Aue nun an der Sophienstraße in den Stau auf der B 7 einfädeln. Um diesen Verkehr gänzlich aus dem Luisenviertel heraus zu halten wäre es notwendig, die Ausfahrt aus dem Viertel auf die B 7 nur deutlich näher an der Kasinostraße zu erlauben. Erst dann wird der Umgehungsverkehr durch die Friedrich-Ebert-Straße tatsächlich enden und nur noch Menschen mit Zielen vor Ort fahren hinein.

Grundsätzlich bleiben wir bei der bereits in der Vergangenheit geäußerten Kritik an der Konzeption, die Umgehungsstrecke Neumarktstraße überhaupt auszuschildern. Der Umleitungsverkehr muss viel weiträumiger um die Innenstadt herumgeführt werden. Gerade der "Flaschenhals" Briller Straße limitiert die Leistungsfähigkeit so stark, dass jeder überregionale Verkehr aus dieser Zone herausgehalten werden sollte.

Luisenstrassen- Öffnung schafft zusätzliche Probleme

Die Situation rund um den Robert-Daum-Platz verschärft sich weiter, wenn es einen dritten KFZ- Stau neben Aue und Bundesallee gibt.

In den letzten Tagen wird als Maßnahme gegen die KFZ-Staus rund um den Robert-Daum-Platz immer wieder die Öffnung der Luisenstraße in die Diskussion gebracht. Wir halten diese Maßnahme aber nicht nur für ungeeignet, sondern erwarten die Schaffung neuer und zusätzlicher Probleme.

Der KFZ-Verkehr funktioniert an dieser Stelle nicht, weil zu viele Fahrzeuge sich durch den "Flaschenhals" der unteren Briller Straße hindurch zwängen. Schon bisher besteht eins der Probleme darin, dass Fahrzeuge aus vier Richtungen auf die eine Fahrspur drängen. Bei einer Öffnung der Luisenstrasse käme eine fünfte Richtung hinzu, ohne dass sich an der Leistungsfähigkeit der Engstelle irgend etwas verändert.

Verändern würde sich allerdings die Situation in Luisenstraße und Deweerth'schem Garten. Die Aufenthaltsqualität im Dewerthschen Garten sinkt erheblich. Der Übergang für Fußgänger und Radverkehr über die Briller Straße Richtung Nützenberger Straße ist schon heute eng und unübersichtlich. Wenn die PKW aus der Luisenstraße auf die Briller Straße drängen, wird es für die kreuzenden unmotorisierten Verkehrsteilnehmer höchst unangenehm. Radverkehr wird auf der Luisenstraße, Wuppertals einziger Fahrradstraße, wird noch schwieriger als bisher.

Schon vor der Sperrung der B 7 haben wir darauf hingewiesen, dass es ein falsches Konzept ist, den PKW-Nutzern zu suggerieren, man könne alle Bereiche rund um die Innenstadt von überall erreichen. Die gigantischen Umleitungsschilder und städtische Veröffentlichungen erwecken aber genau diesen Eindruck. Es wäre weit sinnvoller, die Menschen nur in die Parkbereiche auf der Seite zu orientieren, auf der man sich gerade befindet. Andere Umleitungen müssen viel weiträumiger ausgeschildert werden, z. B. aus Westen kommend bereits ab der Varresbecker Straße über den Otto-Hausmann-Ring.

Und nur am Rande wieder einmal der Hinweis: Mit dem Fahrrad ist die Innenstadt eben so gut zu erreichen wie Ziele jenseits des Baufeldes. Fahrzeitverlängerungen gegenüber dem Stand vor der Sperrung sind uns bisher nicht bekannt geworden.

Aus Richtung Barmen fährt man über den Kreisel am Neuenteich (bitte immer rechts herum) durchs Kipdorf und an der Morianstraße einfach geradeaus
Hier wird's eng. An der alten Freiheit muss man ggf. schieben. Die Alte Freiheit ist, wie alle Querstraßen, für Radfahrer gesperrt. Zu Fuß ist der Bahnhof aber gut zu erreichen
Am Wall müssen Fahrzeuge aus beiden Richtungen in Richtung Neumarkt einbiegen. Wer absteigt, wird aber rechtlich gesehen zum Fußgänger. Dann darf man den Wall auch geradeaus überqueren und die Fahrt auf der anderen Seite geradeaus fortsetzen
Aus der Kasinostraße dürfen Radfahrer nach links abbiegen und können so die Südstraße erreichen

Döppersberg: erste Wochen staufrei (30.7.14)

Gut ein Prozent der Sperrung ist geschafft: Auf den Radwegen rund um den Döppersberg ging es bisher zügig voran. Ab und zu versucht mal ein Autofahrer, das (zulässige) rechts Überholen der Fahrräder durch besonders nahes Heranfahren an den Straßenrand zu unterbinden, aber solche  Reibereien sind eher die Ausnahme.

Seit einigen Tagen ist nun auch die Freigabe des Radverkehrs durch die Elberfelder Fußgängerzone über Kipdorf, Kirchstraße und Mäuerchen umgesetzt worden. Bei unseren stichprobenartigen Beobachtungen klappt das bisher problemlos. Die Zahl der Radfahrer ist nicht sehr hoch, und nur an der Alten Freiheit wird es eng. Hier ist mindestens besondere Rücksicht angesagt, absteigen in den Zeiten mit vielen Fußgängern empfohlen. Abgesehen von dem Kreuzen der Alten Freiheit ist die gemischte Nutzung in den freigegebenen Straßen aber auf Grund der dort nicht so hohen Fußgängerfrequenz unproblematisch. Trotzdem sollte sich jeder Radfahrer bewußt sein, dass wir auf freigegebenen Fußwegen geduldete Gäste sind und Fußgänger Artenschutz genießen.

Offiziell muss man übrigens am Wall bei der Ausfahrt aus Kirchstraße und Mäuerchen in Richtung Neumarkt abbiegen. Allerdings ist ein Radfahrer, sobald er absteigt, rechtlich gesehen ein Fußgänger. Und da das Abbiegegebot nicht für Fußgänger gilt, steht einer Fortsetzung des Weges in die gewünschte Richtung nichts im Wege.

Die Umgehungsrouten für Radfahrer sehen sie auch auf dieser Karte

Intelligent dem Stau entgehen (Juni 2014)

Am Bahnhof laufen die Arbeiten schon einige Zeit. Ab Juli 2014 geht die Umbaumaßnahme in die heiße Phase, dann ist auch der Stadtverkehr massiv betroffen

Die Entscheidung steht- für mindestens drei Jahre wird in Elberfeld die Wuppertaler Hauptverkehrsachse im Zuge des Umbaus am Döppersberg komplett gesperrt.

Start der Maßnahmen ist zu Beginn der dritten Ferienwoche. In den frühen Morgenstunden des 21. Juli wird die wohl einschneidenste Veränderung der Verkehrsstöme in Wuppertal seit der Eröffnung der A 46 erfolgen.

Wer das Wuppertaler Stadtgebiet kennt, weiß dass es keine leistungsfähige Alternative zum Durchfahren des Elberfelder Zentrums gibt. Nur wenn der Bereich vom Durchgangsverkehr weiträumig umfahren und der Zielverkehr nach Elberfeld in geringerem Maß mit dem PKW stattfindet, wird es bei einer erträglichen Verkehrssituation bleiben.

Wenig optimistisch stimmt da allerdings die Sondersitzung von Baubegleitkommission Döppersberg und Verkehrsausschuss im Mai 2014. Hier wurden die verschiedenen Elemente des Umleitungskonzepts vorgestellt. In einer ausgefeilten Planung gibt es zum Beispiel Umleitungsempfehlungen für hunderte Relationen zwischen den verschiedenen Stadtbezirken und Ortsteilen Wuppertals. 

Die Arbeit ist detailliert und umfangreich, hat aber aus unserer Sicht eine große Schwäche: Sie berücksichtigt in keiner Weise die Notwendigkeit eines grundsätzlich veränderten Verkehrsverhaltens. Es gibt einen Vorschlag für eine PKW-Verbindung. Wir denken, dass ein Vorschlag, wie man mit dem ÖPNV die jeweilige Strecke zurücklegt, die Aufmerksamkeit für Alternativen schärft. Spätestens nach den ersten Staubesuchen würde dieser Vorschlag größere Beachtung finden.

Ebenso unglücklich wie die ausschließliche Auto- Ausrichtung der Datenbank ist die Beschilderung der Erreichbarkeiten an allen  auf die Innenstadt zuführenden Straßen. Hier wird von jedem Ort aus eine Empfehlung in jeden der vier Parkbereiche rund ums Elberfelder Zentrum gegeben ( diese Bereiche sind: Luisenviertel und Johannisberg westlich sowie Zentrum/ Hofkamp und Kluse östlich des Baugebietes). Aus unserer Sicht wäre es sinnvoller, die wenig leistungsfähigen Strecken am Baugebiet vorbei (Wolkenburg, Neumarktstraße und Hochstraße/ Tannenbergstraße) nicht zusätzlich zu belasten, sondern anreisende PKW jeweils in die Parkplatzbereiche der Ankunftsseite zu orientieren.

Klasse Alternative: Das Fahrrad

Autos abstellen. Mit dem Rad geht's weiter
Die Luisenstraße ist eine der Umgehungsstrecken. Radverkehr kann die Einbahnstraße in beide Richtungen passieren und findet eine Fortsetzung in Richtung Hofkamp oder Robert-Daum-Platz

Natürlich ist das Fahrrad auch, oder gerade hier eine erstklassige Alternative. Die Ausweichrouten für den Radverkehr werden ein Vorbeifahren am Stau ermöglichen. Stehen die PKW- Nutzer noch genervt in der Innenstadt, ist der Radfahrer schon längst zu Hause.

Es gibt drei Alternativen, das Tal in Ost-West oder West- Ost- Richtung abseits der KFZ-Staus oder auf Radwegen an ihnen vorbei zu durchfahren. 

  • Bereits heute existiert die Verbindung über die Luisenstraße/ Neumarkt/ Hofkamp.
  • Als zweite, dem Bahnhof nähere Streckenführung soll auch eine Variante durch die Fußgängerzone Elberfeld geschaffen und freigegeben werden.
  • Für den großräumigen Verkehr eignet sich natürlich besonders die Nordbahntrasse. Neben Eisen- oder Schwebebahn wird sie die schnellste Ost-West Verbindung in Wuppertal für die nächsten Jahre darstellen. Leider ist auf Grund der laufenden Tunnelsanierungen diese Strecke aber erst einige Wochen oder Monate nach der Sperrung durchgehend zu befahren.

Alle drei Varianten sehen sie auf dieser Karte.

Döppersberg muss sein

Eine Anmerkung zum Abschluss: Der Autor dieser Zeilen ist ein klarer Befürworter der Neugestaltung des Döppersbergs. Die Maßnahme ist aus meiner Sicht unabdingbar für die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt. Ich freue mich, eines Tages auswärtigen Besuchern nicht mehr schon bei der Ankunft am Bahnhof etwas über eine prekäre Haushaltssituation und wirtschaftliche Probleme berichten zu müssen um dann zu erklären, dass der erste Eindruck nicht dem Charakter unserer in vielen Bereichen schönen Stadt entspricht.

Auch die Sperrung der B 7 zum Beschleunigen der Maßnahme bei gleichzeitiger Verringerung der Kosten und den dabei möglichen Vorteilen für den Busverkehr wird von mir ausdrücklich unterstützt. Diese Einstellung wird auch durch eine Detailkritik bei der Umsetzung der Maßnahme nicht verändert.

Ich vermisse aber die notwendige Kreativität im Umgang mit den auftretenden Problemen. Warum schafft der Einzelhandel nicht ein gemeinsames Liefer- oder Warenausgabesystem?. Kunden könnten in der Innenstadt einkaufen und sich ihre Waren dann an einem zentralen, gemeinsam betriebenen Ausgabebüro der Einzelhändler an Bus- und Schwebebahnhof Ohligsmühle abholen. Niemand muss die Einkäufe durch die Stadt schleppen, und es ist komfortabler, mit dem ÖPNV einzukaufen, als sein Auto irgendwo entfernt im Parkhaus stehen zu haben.

Warum gibt es kein City-Ticket, das eine Kombination aus Parken außerhalb und ÖPNV-Nutzung anbietet, kombiniert mit einem Plan für Park&Ride Angebote? In Wuppertal gibt es inzwischen eine ganze Menge Fahrradabstellanlagen. Viele sind schon gut gefüllt. Warum werden nicht an zentraler Stelle neue und große Abstellmöglichkeiten geschaffen? Manche  Geschäfte könnten hier in Eigeninitiative etwas anbieten, idealerweise überdacht und mit sozialer Kontrolle. Bestimmt gibt es viele weitere Möglichkeiten, Elberfeld durch kreative Maßnahmen attraktiv zu gestalten. So lange die einzige Reaktion auf die neue Situation die Suche nach Alternativen für die PKW bleibt, wird die Innenstadt jahrelang unter der Sperrung der B 7 leiden.

Für mich steht fest: Der Umbau kommt zu spät, aber besser spät als nie!

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