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Ampeln: Wieso dauert es ewig, bis das grüne Licht kommt?

05.12.20
Kategorie: RheinBerg-Oberberg

© Bernhard Werheid - Ampeln, sinnvoll?



Wann fühlt sich der Bergisch Gladbacher Fußgänger so richtig gedemütigt? Wenn er die Straße überqueren will, nicht bei Rot wie manch ein Radfahrer, sondern bei Grün, der Kinder wegen. Und er an einer Drückampel steht wie an der Heidkamp, Ecke Bensberger Str./Oberheidkamper Str. Und Drückampel, das heißt: auf das Feld patschen und warten. Warten. Weiter warten.

Bei Rot rüber

Längst sind diverse Mitwartende bei Rot rübergeflitzt, eine Frau sogar mit einem "Mama! Rot!" schreiendem Kind. Die Mienen mancher Autofahrer verraten Mitgefühl (ohne dass sie deswegen stoppen würden), mitwartende Jugendliche zweifeln hörbar an dem wartenden Fußgänger. Der wiederum zweifelt an der Ampel. Und gerade als er davon überzeugt ist, dass sie kaputt ist – kommt endlich Grün.

Warum dauert das solche Ewigkeiten? Handelt es sich hier um ein städtisches Fußgängerdemütigungsprogramm? Wenn ja: Skandal! Wenn nein: Wer ist schuld?

Umlaufzeiten

"Die Umlaufzeit", sagt Axel Hoffmann, Ingenieur beim Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer. Gemeint ist die Zeitspanne, in der an einer Ampel alle Rot- und Grünphasen einmal durchgelaufen sind. Wie lange das dauert, stellen die städtischen Verkehrslenker je nach Tageszeit und Verkehrsaufkommen ein. Die Umlaufzeit der Ampel Bensberger Str./Oberheidkamper Str. beträgt tags 183 Sekunden: 150 Sekunden Grün für die Autos, 22 Sekunden für die Fußgänger und elf Sekunden "Schutzzeit", damit ein Fußgänger, der gerade noch bei Grün losgeht, den Straßenrand erreicht, bevor die Autofahrer Gas geben.

In der Schleife

Dieses Programm läuft in der Ampelelektronik in Schleife. Der Bedarf nach Fußgängergrün wird angemeldet, wenn jemand auf die Drückfläche patscht. Und so kann man entweder das Glück haben, zu drücken, kurz bevor der Programmabschnitt "Grün für Fußgänger" dran ist. Dann springt die Ampel fast sofort auf Grün. Oder man hat das Pech, ein oder zwei Sekunden später zu drücken: wenn das Fußgängergrün im Hintergrund schon läuft. Dann muss man warten, bis alle Ampelphasen einmal durch sind und das Fußgängergrün endlich wiederkommt.

Es gibt Anwohner, die schwören, sie hätten noch nie Glück gehabt bei dieser für Autos gefühlt dauergrünen Ampel. Das lange Autogrün sei nötig bei dem vielen Verkehr, sagt Ingenieur Hoffmann.

Eine Idee

Aber dann hat er eine Idee: Vielleicht lässt sich ja zumindest in der sogenannten Schulanmarschzeit von halb acht bis halb neun Uhr die Umlaufphase halbieren. Dann hätten Autos und Fußgänger gleich lang Grün, je 22 Sekunden. Nur für eine Stunde, aber immerhin. Fängt nicht jede Revolution klein an? "Wir probieren das, wenn wieder Schule ist", sagt Hoffmann.

Wenn Sie also merken, dass es an der Ampel an der Bensberger Str. zu Fuß plötzlich viel schneller geht: Das wäre dann gepatschte Gleichberechtigung

Braucht man überhaupt Fußgängerampeln ?

Es gibt in der StVO auch eine Vorschrift für Zebrastreifen, bei denen der Fußgänger IMMER Vorrecht hat. Leider werden statt dieser fairen Regelung lieber hohe Kosten verursachende Ampeln installiert, die dann auch den Verkehr aufhalten, wenn gar keine Fußgänger mehr die Straße queren wollen.
In einer Innenstadt wo ja bekanntermaßen generell eine Geschwindigkeit von maximal 50 kmh gilt sind Fußgängerampeln deshalb eine Verschwendung!


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