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Ein Überholverbot für die Hauptstraße

23.11.20
Kategorie: RheinBerg-Oberberg

Ein interessantes neues Verkehrszeichen



Neuer Verkehrsausschuss
Am Dienstag, 24.11.findet ab 17h der neue Verkehrsausschuss statt. Neu ist der Name, nicht mehr Ausschuss für Umwelt Klimaschutz Infrastruktur und Verkehr (AUKIV) sondern Ausschuss für strategische Stadtentwicklung und Mobilität (ASM). Das mit dem AUKIV hat nicht funktioniert. Sucht man im Internet nach dem Wort findet man an erster Stelle: Brötchentaste siegt über Fahrradstraße

Diese Veranstaltung war also all die Jahre großer Mist, hat also nicht funktioniert, auch wegen der vielen Themen und der Länge der Sitzungen.

Und es gibt noch was Neues: Nach den Kommunalwahlen am 13.September sind die Schwarzen in der Opposition, die Ampelbunten dürfen jetzt bestimmen. Da könnte schon mal Hoffnung aufflammen. Hinzu kommt, dass der Chef der Verwaltung Radfahrer ist.

Doch wieder lang
Ich habe mir das Manuskript zur nächsten Sitzung angeschaut. Es wird wieder eine lange Sitzung. Die Verwaltung gibt Gas beim Mobilitätskonzept Bergisch Gladbach 2030 (MobiK), bisher sträflich vernachlässigt, und macht Vorschläge zu Laurentiusstr. Odenthaler Str. und Hauptstraße.

Grundsätzlich geht es den Planern der Stadt darum, schnell umsetzbare deutliche Verbesserungen der Radverkehrssicherheit zu finden. Diese wurden auf der Hauptstraße zwischen der Umweltspur Schnabelsmühle und der Odenthaler Straße nicht gefunden. In der Regel nehmen sich die Planer den Baukasten für Fahrradsicherheit vor, der bestückt ist mit Fahrradstraßen, Radfahrstreifen, Schutzstreifen, ARAS, Fahrradampel, 30 km/h usw. Auf der Hauptstraße war aber, bedingt durch das hohe Verkehrsaufkommen und die fehlenden Straßenbreite nichts zu finden.

Radverkehrssicherheit
Verbesserung der Radverkehrssicherheit hat viel mit Psychologie zu tun. Wenn ich als Radfahrer eng überholt werde oder mittels Hupe genötigt werde, doch dem viel schnelleren Verkehr Platz zu machen, dann ist das sicher das mit Abstand größte Problem mehr Radfahrer aufs Rad zu bringen, wie auch aus vielen Gesprächen in Radfahrerkreisen zu entnehmen ist.

Als unmittelbare Unfallursache tritt ein mangelnder Überholabstand selten in Erscheinung. Vermutlich sehr viel häufiger, wenn auch schwieriger zu erfassen und noch weniger untersucht, führt mangelnder Überholabstand indirekt zu vermeintlichen Alleinunfällen.

Ansonsten werden Unfälle von Radfahrern durch mangelnde seitliche Abstände beim Vorbeifahren nur in schweren Fällen überhaupt statistisch erfasst. Als Alleinunfälle erhalten sie nur im Falle notwendiger Hilfsmaßnahmen den Status verkehrlicher Unfälle.

Für die Wahl des Verkehrsmittels ist die subjektive, gefühlte Sicherheit deutlich wichtiger als die objektive.

Überholverbot

Jetzt gibt es seit Anfang des Jahres ein neues Verkehrsschild in der StVO, das VZ 277.1, heißt: „Verbot_des_Überholens_von_einspurigen_Fahrzeugen“, also ein Überholverbot, welches explizit Radfahrer schützen soll. Dies ist sehr viel restriktiver als ein 1,5 Meter Abstandsgebot, weil der Abstand nicht gut zu schätzen ist aber ein Überholvorgang selbst aus großer Entfernung eindeutig erkannt werden kann. Und es wäre knapp 170 m lang.

ARAS
Bedeutet also: Drei dieser Schilder müssen aufgebaut werden. Vor der Ampelanlage Odenthaler Straße/Hauptstraße gibt es sinnvollerweise einen Aufgeweiteten Radaufstellstreifen (ARAS), damit die Radfahrenden im Pulk starten können. Falls es Bedenken (!) wegen der Straßenbreite gibt, zieht man die Haltelinie für den Kraftfahrzeugverkehrs zurück bis die Straße wieder breit genug ist (Am Waatsack wird es eng) und wartet dann die Umsetzung des Bebauungsplans 2168 ab. Natürlich ist dann bis zum Forum Tempo 30 verpflichtend.

Piktogramme
Warum die Planer ein Problem mit den Radpiktogrammen hat, ist mir nicht ganz klar. In ziemlich vielen Städten ist dieses Mittel im Baukasten drin, die Empfehlung für Radverkehrsanlagen (ERA 2010) empfiehlt es für Radverkehrsfurten. Sicher hat das Verkehrsprojekt der Bergischen Universität Wuppertal „ Radfahren bei beengten Verhältnissen – Wirkung von Piktogrammen und Hinweisschildern auf Fahrverhalten und Verkehrssicherheit“, dessen Ergebnis abgewartet werden soll, das Ziel, die Kommunen zu informieren aber nicht die Aufgabe, die Radpiktogramme in die StVO einzubauen. Wir langwierig es im Übrigen ist, die StVO anzupassen hat man an der letzten Novelle der StVO im April 2020 gesehen. Vielleicht überdenkt die Straßenverkehrsbehörde noch einmal ihre Ablehnung gegen das illegale Aufmalen dieser Piktogramme.


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