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Frankreich macht Fahrradcodierung zur Pflicht

07.02.21

Die Fahrradcodierung des französischen Radfahrverbandes FUB. © www.fub.fr



Die französische Regierung hat ein Gesetz erlassen nach dem die Fahrradcodierung ab Januar 2021 - nach einer kurzen Übergangsfrist - Pflicht wird. Jedes neu verkaufte Fahrrad muss codiert werden, ab dem 1. Juli wird diese Pflicht auch auf gebrauchte Räder, die im Fachhandel verkauft werden, ausgeweitet.

Die Codierung beruht auf dem System  Bicycode, das der Französische Fahrradclub Fédération française des usagers de la bicyclette (FUB) entwickelt hat. Der Code ist personalisiert, und somit ist ein Fahrrad eindeutig einer Person zuzuordnen. Die landesweit einheitliche Kennzeichnung ist in einem zentralen Register gespeichert.

In Dänemark gibt es ebenfalls diese Pflicht, Fahrräder codieren zu lassen.

Fakten

Das Risiko eines Diebstahls ist ein Hindernis für die Radpraxis. In Frankreich werden jährlich mehr als 400 000 Fahrräder gestohlen. Für 150 000 verlassene Fahrräder die wieder gefunden werden, gibt es keine Rückgabemöglichkeit an den Besitzer.

Diebstahl zieht den Fahrradmarkt nach unten und schreckt 80 000 Radfahrer pro Jahr ab, Rad zu fahren. Angst vor Diebstahl verhindert ein Großteil der Personen ein Fahrrad zu kaufen, die deshalb nicht in Betracht nehmen ein Rad für den Alltag zu benutzen.

1 Source : étude IFRESI - CNRS « Le vol de Bicyclette : analyse du phénomène et méthodes de prévention » - février 2003

 

Nach einem Diebstahl :

  • Nur 3% bekommen ihr Fahrrad zurück, wenn dieses nicht markiert ist

  • 23% verzichten auf dem Kauf eines neuen Fahrrades

  • 50% kaufen ein gebrauchtes Fahrrad

Ziele des BICYCODE® System sind, die Radfahrer zu ermutigen, ihre Fahrräder in ihren Alltag zu benutzen, aber auch gegen Diebstahl, Hehlerei und Weiterverkauf von gestohlene Fahrräder zu kämpfen.

 

Wie sieht es in Deutschland aus?

Natürlich wäre die Zwangscodierung (ab Fahrradhändler) sinnvoll. Denn nur ein codiertes Rad gibt eine Sicherheit, es auch zu behalten oder wieder zu bekommen. Fakt ist, dass der ADFC im letzten Jahre ca. 20.000 Räder codiert hat. Verkauft wurden im Boom-Jahr 4,2 Millionen. Also ich codiere selber und es ist abwegig zu glauben, dass ich unter Corona-bedingungen 200 mal mehr Fahrräder codieren könnte. Übrigens ist die Codierung beim ADFC ehrenamtliche Arbeit.

In unserem föderalen System ist die bundesweite Einführung einer solchen Maßnahme eher unwahrscheinlich. Polizei-Arbeit ist hier Ländersache. Dieses Problem hat Frankreich nicht. Dass es hier möglich war, bundesweit den FEIN-Code bei der Codierung einzusetzen, war schon erstaunlich genug.

Unsere Fahrradhändler wären bestimmt nicht begeistert, wenn sie für jedes Kundenrad den Arbeitsaufwand für die Codierung einrechnen müssten.


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