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Mapathon Leichlingen

18.03.21
Kategorie: RheinBerg-Oberberg, Verkehrsplanung

© ADFC


 

Wir alle wissen: Radinfrastruktur ist in Deutschland Stückwerk, meist gibt es auch keine Planungen für ein durchgängiges Netz. Auch wenn das Klimapaket insgesamt völlig unzureichend ist, im Bereich Radverkehr beinhaltet es die Schaffung von guten und geschlossenen Radnetze in Städten und auf dem Land. Die Umsetzung von kommunaler Radinfrastruktur können kann nun erstmals durch die Bundesgelder aus dem Klimapaket finanziert werden.  

Der ADFC hat mit dem Mapathon ein Projekt entwickelt, das Alltags- u. Expertenwissen von Radfahrenden für eine gute Netzplanung nutzt und das Thema damit auf die politische Agenda setzt. Gleichzeitig könnt ihr auch in Pandemiezeiten politisch aktiv sein und neue Mitmacher*innen gewinnen.

Was ist ein Mapathon?

In einem Mapathon tragen unterschiedliche lokale Akteure ihr Wissen zusammen und führen es in ein wünschenswertes Radnetz für ihre Stadt oder Kommune zusammen. Dabei geht es nicht um die bestehende Infrastruktur, sondern um die Entwicklung eines Wunschradnetzes, das es allen Einwohner*innen ermöglicht, zügig und sicher auf direktem Wege ihre Ziele zu erreichen. Ein Mapathon kann mit verschiedenen Techniken gemacht werden, je nach Wissensstand – von Klebepunkten auf einem Stadtplan bis hin zu Software, die mit georeferenzierten Daten arbeitet. Ein Radnetz lässt sich im Zweifelsfall auch mit einfachen Mitteln darstellen.

 

Monatelang hat Rudolf Seidel alleine im Kämmerlein gearbeitet und schon erstaunliches geleistet. Aber so war das nicht gedacht. Mapathon ist ein typisches Gruppenprojekt. Deshalb sind jetzt Leichlinger aufgerufen, sich zu beteiligen. Es geht um eure zukünftigen Radwege.

 

Rudolf berichtet:

Klar ist, dass ich alleine jetzt fertig habe. Falls der Prozess weiter verfolgt werden soll/kann, dann ist der nächste Schritt zwingend die Beteiligung und Kontrolle durch eine Gruppe Interessierter mit exzellenten Ortskenntnissen in Leichlingen, bereit zur Aus- und Verbesserung des von mir alleine erstellten Netzes. Ich weiß nicht, ob sich überhaupt in Leichlingen Interessierte finden, die sich an so einem Prozess in Form von Arbeit beteiligen wollen. Erst wenn diese Arbeit intern abgeschlossen ist, kann man mit dem Plan an die Öffentlichkeit und Politik treten, Ziele formulieren und breit kommunizieren.

Ich glaube, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, sich zu überlegen, ob das wirklich gestartet werden soll. Den Prozess einzustellen wäre jetzt kein Beinbruch, denn die Resonanz innerhalb des ADFC scheint ja äußerst verhalten zu sein, oder habt Ihr von irgendwelchen Ortsgruppen in der Umgebung gehört, die sich mit dem Thema beschäftigen?

Irgendwie habe ich das Gefühl, den ADFC-Mapathon hat sich ein beseelter Jung-Theoretiker als Bachelor-Arbeit ausgedacht (siehe Handbuch). Alleine schon der Ansatz, ein „neues“ Netz zu entwerfen, ist schon sehr überheblich, denn wir befinden uns ja nicht auf der grünen Wiese im Uni-Seminarraum und beplanen keinen Sandkasten, sondern eine gewachsene Stadt mit Wegen, die sich Bauern im Mittelalter ausgedacht haben. Das kommt mir dann so vor, wie das Planungsergebnis für die Modernisierung der Moltkestraße, wo der Planer feststellt, dass die strikt vorgeschriebenen Wegbreiten für KFZ, Radfahrer und Fußgänger im vorhandenen Profil nur eingehalten werden können, wenn man den Radweg einfach weglässt, weil man ja die Häuser leider nicht auf den notwenigen Abstand auseinanderschieben kann. Was für ein Jammer, diese grausame reale Welt!!

Zusammenfassung ADFC-Mapathon

(Zitate aus dem Handbuch der ADFC-Akademie zur zivilgesellschaftlichen Erarbeitung eines Radnetzes für Alle)

Bei einem Mapathon kommen fahrradinteressierte Menschen aus einer Stadt oder Kommune zusammen, um ein Radverkehrsnetz zu erarbeiten und auf dem Stadtplan grafisch darzustellen.

Damit eine Stadt oder Kommune nun aber Fördergel­der vom Bundesverkehrsministerium für den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur beantragen kann, muss also ein Radverkehrsnetz erarbeitet werden.

In einem Mapathon sammeln ADFC-Gliederungen zusam­men mit unterschiedlichen lokalen Akteuren Wissen und entwickeln daraus ein Radverkehrsnetz, das sie dann in ihrer Stadt oder Kommune vorschlagen.

In Gesprächen mit Bürgermeister*innen, dem Verkehrsaus­schuss oder Fraktionen im Stadt- oder Gemeinderat kann sich der ADFC dann immer auf die Vorschläge aus der Bevöl­kerung und damit eine breite Legitimation des Wunschrad­netzes berufen.

Durchgängige Radverkehrsnetze – oder die Idee davon – sind bisher jedoch in kaum einer deutschen Kommune vorhanden. Das will der ADFC durch das Mapa­thon-Projekt ändern.

Das Ziel des Mapathon ist die schnelle Festlegung auf ein ideales Radverkehrsnetz vor Ort. Dieses Rad-Netz beruht sowohl auf den Wünschen der Bürger*innen als auch auf ihrem erfahrungsbasierten Expert*innenwis­sen. Dadurch erhält das Ergebnis eine hohe Legitimati­on und dient als Grundlage für zielgerichtete Gespräche mit den politisch Verantwortlichen vor Ort.

In diesem Projekt geht es darum, ein Wunschradnetz zu erstellen.

Als erstes wird untersucht, welche Quellen und Ziele durch das Radverkehrsnetz verbunden werden müssen.

Im zweiten Schritt werden die Bezüge zwischen Quellen und Zielen untersucht und mit Luftlinien verbunden.

Aus einer Luftlinie wird jetzt der konkrete Verlauf der bis hierhin als Luftlinien geplanten Routen in die Karte eingetragen. Dieser Schritt der Radnetzplanung ist aufwendig und führt sehr leicht zu intensiven Detaildiskussionen. Wichtig ist es daher, in diesem Schritt noch vollkommen auf Überlegungen zur konkreten Ausführung der jeweiligen Route zu verzich­ten: Baulicher Radweg, Protected Bikelane oder Fahren auf der Fahrbahn in wirklich verkehrsberuhigten Tempo-30-Zo­nen wird hier noch nicht entschieden. Und sollte hier auch nicht diskutiert werden.

Voraussetzung dafür ist eine angebots­orientierte Planung, die jede Straße zur fahrrad­freundlichen Straße macht.

Radverkehrsnetze müssen deshalb zusammen­hängen und Direktverbindungen schaffen, sie sollten attraktiv, bequem und sicher sein. Wir wollen eine Trennung zwischen Fuß- und Radverkehr. Wir wollen, dass selbstständige, abseits vom Straßennetz geführte Wege auch in Alltagswegenetze integriert werden. Für den Radverkehr im ländlichen Raum enga­gieren wir uns für gute Verbindungen zwischen den Dörfern, eine gute Infrastruktur in den Orten sowie in den Ortsdurchfahrten. Generell fordern wir die Entwicklung eines zusammen­hängenden durchgängigen Radverkehrsnet­zes. Das muss Priorität vor Einzelmaßnahmen haben.

Gute Radwegenetze:

  • sind verkehrssicher
  • maximieren durch eine fehlerverzeihende Gestaltung
  • trennen Radverkehr und Kfz-Verkehr
  • bieten Radfahrenden immer eine bequeme Strecke
  • sind engmaschig, lückenlos und durchgängig ohne Unterbrechung befahrbar
  • verbinden alle Ausgangs- und Zielpunkte des Radverkehrs
  • besitzen eine einheitliche Qualität
  • bieten ein einheitliches durchgehendes Schutzniveau
  • gewährleisten eine freie Routenwahl
  • sind gut mit dem öffentlichen Verkehr verknüpft.
  • sind einfach und sicher befahrbar
  • verfügen über gut ausgebaute Breiten und Kurvenradien
  • besitzen eine glatte, rutschfeste Oberfläche und sind frei von Hindernissen
  • sind in einem guten Unterhaltungszustand
  • sind unterbrechungsfrei, vermeiden Flächen, die mit dem Fußverkehr geteilt werden müssen
  • sind attraktiv, interessant und gut gepflegt
  • sind so geplant und gestaltet, dass sie für Radfahrende attraktiv sind
  • sind gut in ihre Umgebung integriert und komplettieren diese

Aufbau einer Kerngruppe, Vorbereitung

Die Kerngruppe hat die Aufgabe, den eigentlichen Mapathon vorzubereiten.

Zum Mapathon sollten alle Menschen aus Gruppen einge­laden werden, die sich für einen sicheren und komfortab­len Radverkehr für alle Menschen einsetzen.

Ein Mapathon lässt sich aber sehr gut auch digital durchführen. Im Idealfall gibt es einige Technikver­antwortliche, die sich mit den geeigneten Arbeitsinstru­menten auskennen. Es gibt zum Beispiel Whiteboards. Ansonsten kann aber auch gut auf einfache Instrumente, wie das Teilen eines Bildschirms mit entsprechender Karte in einer Videokonferenz zurückgegriffen werden. Die Erstellung eines kompletten Radverkehrsnetzes auf einem leeren Blatt erscheint in einem Mapathon mit vielen Beteiligten nur sehr schwer umzusetzen zu sein. Die Kern­gruppe sollte daher überlegen, ob sie einige der Arbeits­schritte, schon vorbereiten will. Anhand dieser Entwürfe kann dann beim Mapathon diskutiert werden.

Am Ende des Mapathon sollte der fertige Netzplan digital vorhanden sein. Zum Vergleich verschiedener Routen könnte mit Bewer­tungsmethoden gearbeitet werden: Welche Verbindungen sind am wichtigsten, an welchen Stellen gibt es im Vergleich zum Status Quo den größten Bedarf, wo fahren alle beson­ders gerne Fahrrad?

Durchführung des Mapathon

  • Ein oder mehrere (digitale) Meetings mit Moderation, Tagesordnung, Input und ggf. Arbeitsgruppen
  • Zusammentragen der wichtigen Quell- und Zielorte, Erstellung eines Luftlinienplans, Sammlung von Rou­tenvorschlägen, Vergleich, Diskussion
  • Einigung auf bestimmte Routen und Darstellung in einer Karte
  • Reorganisation der Gruppe für die folgenden Arbeits­schritte, Verteilung von Aufgaben.

Öffentliche Beteiligung und Diskussion

  • Veröffentlichung des Netzes im Internet, um größere Beteiligung zu ermöglichen
  • Klare Fragen und Beteiligungsmöglichkeiten aufzeigen, zeitlich begrenzen
  • Verantwortliche und Verfahren zur Einarbeitung der Kommentare und zur Finalisierung festlegen
  • Wonach soll die Öffentlichkeit befragt werden? (z. B. fehlende Strecken, wichtige Quell- und Zielorte)
  • Wie kann Input zurückgemeldet werden? (z. B. Kommentar auf Website, E-Mail-Nachricht)
  • Wie wird mit Vorschlägen umgegangen? Wer darf über diese und eine Integration in den Netzvorschlag entscheiden?
  • Festlegung eines zeitlichen Endes der Beteiligung

Politische Lobbyarbeit/Öffentlichkeitsarbeit/Kampagnen

  • Übergabe des Radnetzes an die Stadt/Gemeinde
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Gespräche mit Vertreter*innen von Stadt/Gemeinde, Verwaltung oder Parteien

An dieser Stelle sei auf eine leicht selbstgestellte Falle hingewiesen. Es ist nicht Aufgabe der Kerngruppe, als Verkehrsplaner*in zu agieren. Das ist die Aufgabe der Kommune. Die Kerngruppe hat die Aufgabe, die Kriterien für ein gutes Radverkehrsnetz zu vertreten. In einfachster Form heißt das: ALLE Menschen müssen in unserer Stadt sicher und komfortabel Rad fahren können.

Die Öffentlichkeitsarbeit ist ein fortlaufender Pro­zess und dieses kleine Event nur der Auftakt. Sowohl Presse als auch Social Media-Kanäle publizieren aber nur, wenn tatsächlich etwas geschieht und es Neuigkei­ten gibt. Es ist also wichtig, immer wieder interessante Neuigkeiten zu schaffen. Dabei können auch Kampag­nen helfen.


Weitere Informationen

Dateien:
adfc_mapathon_web.pdf1,18 Mi

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