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Ein Jahr ohne Auto

05.05.18
Kategorie: Mönchengladbach, Verkehr

Vom Selbstversuch zur Dauerlösung

Jedes deutsche Auto parkt durchschnittlich 22 Stunden und 48 Minuten täglich. Obwohl Autofahren immer teurer und unattraktiver wird, leisten wir uns diesen Luxus. Es wird Zeit, darüber nachzudenken!

Als ich Anfang letzten Jahres mein Leben neu sortierte und von Mönchengladbach nach Erkelenz zog, entschied ich mich dazu, auf ein Auto zu verzichten. Für Erkelenz hatte ich mich u. a. entschieden, weil es hier eine direkte Bahnverbindung zu meinem Arbeitsplatz in Düsseldorf gibt.

Da ich nach wie vor eng mit Mönchengladbach verbunden bin, war es bei meiner Standortfrage natürlich auch wichtig sicherzustellen, dass ich eine gute Anbindung nach Mönchengladbach hatte. Dies wurde wiederum durch die gute Zugverbindung sichergestellt. Aber auch mit dem Fahrrad kann man die 15-20 km gut zurücklegen.

Die größten Bedenken hatte ich, ob es mir gelingen würde, meinen wöchentlichen Lebensmitteleinkauf mit dem Fahrrad zu erledigen. Wie sich später herausstelle, waren meine Bedenken völlig unbegründet - aber dazu später mehr.

Obwohl es ein verlockendes Angebot eines Autokaufs gab, entschied ich mich erst einmal, auf den Zug und das Fahrrad zu setzen. Sollte dies nicht funktionieren, könnte ich mir ja immer noch ein Auto zulegen.

Schnell erkannte ich, dass Erkelenz nicht im VRR-Tarifgebiet liegt und ich ein Zusatzmonatsticket des AVV benötige, um von Erkelenz nach Mönchengladbach bzw. Düsseldorf zu fahren. Da ich mir die 40 Euro im Monat sparen wollte, entschied ich mich die 4 km von Erkelenz nach Herrath, dem ersten Bahnhof im VRR-Gebiet, täglich mit dem Rad zurückzulegen. Hierbei erkannte ich, dass ich nicht der einzige war, der so dachte. Anfangs stellte ich mein Fahrrad noch am Herrather Bahnhof ab und stieg dort in die Bahn. Später entschied ich mich aber, mein Fahrrad mit in die Bahn zu nehmen und damit nach Neuss zu fahren. Da die Straßenbahn nach Düsseldorf regelmäßig ausfiel oder zu spät abfuhr, wurden ab sofort die 6 km zu meinem Arbeitsplatz mit dem Fahrrad zurückgelegt. Denn mit dem Fahrrad bin ich flexibler und unabhängiger.

Die Erfahrungen, die ich in den letzten Monaten mit dieser Mobilitätskette gemacht habe, sind durchweg positiv. Im Fahrradabteil des Zuges trifft man viele nette Artgenossen und führt interessante Gespräche, während andere auf der Autobahn im Stau stehen und vor sich hergrollen. Ärgerlich sind nur die Zugreisenden, die ohne Fahrrad reisen und einen Sitzplatz im Fahrradabteil blockieren und dadurch für ein unnötiges Chaos sorgen. Spricht man sie freundlich an, machen sie meistens Platz.

Mein täglicher Weg zur Arbeit


Das Radfahren vor und nach der Arbeit tut mir gut. Ich fühle mich frei und mein Feierabend fängt bereits an, sobald ich auf dem Fahrrad sitze und nicht erst, wenn ich zu Hause ankomme. Was meine Einkäufe angeht, habe ich mich anders organisiert. Oft fahre ich auf dem Heimweg mit dem Fahrrad am Supermarkt vorbei und kaufe für die nächsten 3-4 Tage ein. Durch die kleineren Mengen, die ich in der Regel mit meinen Satteltaschen transportiert bekomme, kaufe ich nun frischer ein und lebe gesünder. Man glaubt ja nicht, wie viel in eine Satteltasche so reinpasst.

Außerdem habe ich mir einen Wassermaxx zugelegt, der dafür sorgt, dass ich auf einen Großteil des Getränketransports verzichten kann. Sollte ich mal einen größeren Einkauf machen müssen, nehme ich meinen Fahrradanhänger oder zur Not auch ein Taxi. Schließlich spare ich ja jetzt jeden Monat viel Geld und kann mir dadurch diesen Luxus auch mal leisten.

Ich will aber auch nicht verschweigen, dass ich in den letzten Monaten einige Male ein Auto brauchte. Ist ja auch nichts, wofür man sich schämen müsste. Nur für mich macht es eben keinen Sinn, da es die meiste Zeit vor der Türe gestanden und Geld gekostet hätte. In diesen Fällen habe ich das Auto einer Freundin oder das Carsharing-Angebot in Mönchengladbach genutzt.

Als Fazit kann ich nur sagen, dass es in meinem Fall gepasst hat und ich froh bin, dass ich mich auf diesen Versuch eingelassen habe. Für mich steht nun fest, dass ich mir kein eigenes Auto mehr zulegen werde. Erkelenz bekommt demnächst auch ein Carsharing–Angebot, und mein Platzproblem im Fahrradabteil werde ich lösen, in dem ich mich demnächst mit einem hochwertigen Faltrad belohnen werde.

Dirk Rheydt

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