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Welchen Weg muß ich als Radfahrer benutzen?

14.09.14
Kategorie: Mönchengladbach

In vielen Gesprächen ist uns aufgefallen, das bei Radfahrern oftmals eine große Verunsicherung darüber herrscht, welchen Weg man zu benutzen hat (Gehweg, Radweg oder Straße).

Wir möchten deshalb einige wichtige Grundregeln zusammenfassen und hierdurch mehr Sicherheit im Verkehr schaffen.

Gehwege
Es gibt zwei Arten von Gehwegen. Reine Gehwege, die nur für den Fußgängerverkehr freigegeben sind (blaues Fußgängerschild) und Gehwege, die auch für den Radverkehr freigegeben sind. Die letzteren sind durch ein Zusatzschild kenntlich gemacht (Radfahrer frei).

 

Wenn nur ein einzelner baulich abgesetzter Weg neben der Fahrbahn verläuft und er keine Beschilderung hat, dann ist das ein GEHWEG und KEIN Radweg!

Wir empfehlen, den für Radfahrer frei gegebenen Gehweg nur in den folgenden Fällen zu benutzen:

  • Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr MÜSSEN den Gehweg benutzen
  • Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr DÜRFEN den Gehweg benutzen

In allen anderen Fällen empfehlen wir, auf der Straße zu fahren, da dies nachweislich sicherer ist. Sollten Sie trotzdem auf dem freigegebenen Gehweg radfahren, dürfen Sie dort nur Schrittgeschwindigkeit fahren!

Bitte beachten Sie, das Fußgänger auch Verkehrsteilnehmer sind und ebenfalls ein Recht auf gute und sichere Mobilität haben. Radfahren auf Gehwegen bringt nach unserer Erkenntnis mehr Nachteile als Vorteile (z. B. Abbiegeunfälle, Konflikte mit Passanten und Hunden).

Radwege
Es gibt drei Radwegschilder, bei denen eine Benutzungspflicht vorliegt. Das heißt, bei diesen Schildern MUSS der Radweg benutzt werden. Eine Nichtbeachtung der Schilder kann zu einer Ordnungsstrafe führen.

Zeichen 237 bedeutet, das dieser Weg ausschließlich von Radfahrern genutzt werden darf. Fußgänger, Inline-Skater etc. haben hier nichts zu suchen. Kraftfahrzeuge dürfen auf Radwegen nicht fahren, halten oder parken.

Bei Zeichen 241 handelt es sich um einen getrennten Rad- und Gehweg (links der Radweg und rechts der Gehweg). Fußgänger haben nichts auf dem Radweg zu suchen und Radfahrer nichts auf dem Gehweg!

Bei Zeichen 241 handelt es sich um einen gemeinsam benutzen Weg (Fußgänger und Radfahrer). Hier muss der Radfahrer Rücksicht auf die Fußgänger nehmen und zur Not auch mal Schritttempo fahren.

Ein baulich abgesetzter Geh- und Radweg muß an jeder Einmündung und Kreuzung durch ein blaues Schild kenntlich gemacht werden. Wird kein blaues Radwegschild angezeigt, existiert dort auch kein Radweg und man sollte auf der Straße fahren. Für Schutz- und Radstreifen (markierte Radwege auf der Straße) gilt diese Regel nicht.

Straßen
Bei verkehrsberuhigten Straßen (z. B. 30 Zone) sind benutzungspflichtige Radwege ausdrücklich in der StVO verboten, d. h. hier fährt man generell auf der Straße.

Merke:
Wo fahre ich mit dem Fahrrad?
In der Regel auf der Fahrbahn („auf der Straße“), denn das Fahrrad ist ein Fahrzeug.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Richard-Wagner-Straße / Brucknerallee in Mönchengladbach. Die Richard-Wagner-Straße ist verkehrsberuhigt (30 km/h), hier gibt es wenig Autoverkehr. In der Mitte gibt es einen wunderschönen Gehweg, welcher auch für Radfahrer freigegeben ist. Viele Radfahrer fahren mit ihrem Rad auf dem mittleren Gehweg und riskieren dadurch Konflikte mit Fußgängern. Die laufen Gefahr, beim Überqueren der rot markierten Kreuzungsbereiche von einem Auto übersehen zu werden. Hier geht man auch gerne mit dem Hund spazieren, so daß man häufig durch Hunde / Hundeleinen ausgebremst wird. Nach unserer Auffassung ist es viel sicherer, auf der verkehrsberuhigten Straße zu fahren. Hier wird man von den Autos viel besser wahrgenommen und entgeht den Konflikten mit den Fußgängern. Zudem ist der Straßenuntergrund viel komfortabler und sauberer als der Sandweg.

Die Brucknerallee verfügt auf beiden Seiten über einen guten Radweg und ist teilweise auf 30 km/h reduziert (Schulen). Auch in diesem Bereich herrscht geringer Autoverkehr.

Achtung:
Auf den Radwegen zwischen dem Kreisverkehr und der Mühlenstraße auf der Brucknerallee gibt es KEINE Benutzungspflicht, da dort keine blauen Radwegschilder aufgestellt sind. Das heißt, hier darf man auf der Straße fahren und sollte dies auch tun. Somit erhält der starke Fußverkehr in diesem Bereich mehr Raum auf den Gehwegen (z. B. Schüler) und man entgeht weiteren Konflikten.

Zum Schluß möchten wir noch auf eine wichtige Sache hinweisen:
Viele Radwege in Mönchengladbach sind zu schmal und zu marode (z. B. Limitenstraße, Hohenzollernstraße). Innerorts ist eine Radwegbreite von 1,5 bzw. 2,5 (kombinierter Rad- und Gehweg) vorgeschrieben. Entspricht ein Radweg diesen Maßen nicht bzw. ist er in einem unzumutbaren Zustand, wird die angezeigte Benutzungspflicht aufgehoben und man darf auf der Straße fahren. Im Falle einer Ordnungsstrafe sollte man sich dagegen wehren.

Die Mönchengladbacher Stadtplaner haben dieses Problem erkannt und verlegen immer mehr Radwege auf die Straße (Radstreifen, Schutzstreifen). Wir begrüßen diese Entwicklung, die auch in vielen anderen Städten erkennbar ist. Auch wenn man in einigen Fällen eine Untätigkeitsklage gegen die Stadt einreichen könnte, raten wir davon ab und bitten um Geduld. Eine Stadt, die mehr als 40 Jahre für Autos geplant und gebaut wurde, kann man nicht in kurzer Zeit fahrradfreundlich gestalten.

Wenn Sie sich und den Radfahrern unserer Stadt etwas Gutes tun wollen, fahren Sie möglichst oft auf der Straße (da wo kein benutzungspflichtiger Radweg ist). Je mehr Radfahrer auf den Straßen unterwegs sind, desto sicherer wird der Radverkehr insgesamt, da dadurch die Autofahrer stärker auf Radfahrer achten.


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